Mittelstand hat Zukunft - Klaus-Peter Siemssen

Steckbrief
Klaus-Peter Siemssen (Jahrgang 1967) ist Diplom-Wirtschaftsingenieur (FH) und hat nach dem Studium Tätigkeiten für Siemens in Slowenien und den USA übernommen. Seit 1997 war er im Management der Siteco Beleuchtungstechnik GmbH, ab 2006 dann Mitglied der Geschäftsführung der Siteco Beleuchtungstechnik GmbH, zuletzt zuständig für Vertrieb und Marketing.

Seit April 2010 ist er Vorsitzender des Vorstandes der Selux Aktiengesellschaft in Berlin. Der gebürtige Münchener ist verheiratet und hat drei Kinder.
Herr Siemssen, die Branche befindet sich aktuell in einem starken Wandel. Wie gehen die Mitarbeiter von Selux damit um?

K.-P. Siemssen: Beeindruckend. Die Art und Weise, wie unser Team in Berlin und international mit dem Wandel umgeht, macht Spaß. Mit einer unglaublichen Offenheit und Menschlichkeit sowie Leidenschaft für gutes Licht haben Udo und Armin Bansbach über Jahrzehnte die Firma geprägt. Das ist schon etwas Besonderes.

Gerade in diesen Zeiten der Veränderung haben Werte wieder hohe Bedeutung. Wir müssen in kurzer Zeit unsere Arbeits- und oft Sichtweisen verändern – das fordert, ist spannend und macht Freude. In dieser Zeit ist Vertrauen aus Sicht von Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten ein hohes Gut.
  



Das bedeutet dann kurz gesagt, bei Selux ist alles gut
und die Mitarbeiter haben tiefes Grundvertrauen in das Management? 

K.-P. Siemssen: Das wäre ein schönes Bild, aber ich glaube, das gehört doch eher zu einer Traumvorstellung. Nein, bei Selux ist nicht alles gut. Wir wollen im Bereich Produktinnovation und Service führend werden. Die Technik wird komplexer, und wir suchen nach Wegen, noch schneller zu innovieren. Für uns ist das – wie für alle in der Branche – ein sehr spannender Prozess. Bei Selux vielleicht sogar im Besonderen, da wir parallel auch noch einen Kulturwandel durchleben.

Aber als inhabergeführtes Unternehmen haben wir Stärken, die uns hierbei helfen. Handschlagmentalität und die Kernausrichtung, unseren Kunden Mehrwert zu bieten, sind grundverankerte Überzeugung. Die Grundidee von Selux ist es, mit und für unsere Partner wundervolle Lichtwerkzeuge herzustellen.

Diese nachhaltige Orientierung ermöglicht Verlässlichkeit gegenüber Kunden und Mitarbeitern. Natürlich entsteht daraus hoffentlich auch ein Grundvertrauen in das Management.


Ist in der digitalen Revolution in der Leuchtenbranche
noch Platz für die durch den Mittelstand in der Lichtwelt etablierte breite Markenwelt?

K.-P. Siemssen: Davon bin ich überzeugter denn je. Die Gestaltung mit Licht ist sehr vielfältig. Gebäude benötigen individualisierte Lösungen – das Besondere. Beleuchtung gestaltet den Raum durch die Lichtfarbe, Lichtverteilung, Lichtqualität, das Produktdesign. Variantenvielfalt und Anwendungskompetenz kompensieren oft Investitionskraft und Größe.

Wenn Architektur auch in Zukunft individuell ist, wird Platz sein für individuelle Lösungen. Die Vorstellung einer zunehmend standardisierten Welt empfinde ich nicht als Erhöhung der Lebensqualität.

Wir wollen technisch hochwertige, effiziente Lichtwerkzeuge entwickeln, die noch eine für uns wesentliche Funktion haben: Sie sollen gefallen, und das nachhaltig. Die neuen Mechanismen der digitalen Revolution sind inspirierend, aber sie fordern uns alle. Ich denke, unsere Stärken müssen Prozess, Netzwerkintelligenz und Firmenkultur sein. Dies erlaubt es uns, dauerhaft erfolgreich zu sein. 


Netzwerkintelligenz und Firmenkultur als Wettbewerbsdifferenzierung? Was meinen Sie damit?

K.-P. Siemssen: Die Welt ist global zusammengerückt und dabei enorm schnell geworden. Es gibt viel Kompetenz und Innovation. Diese enorme Vielfalt fordert neues Verhalten. Das intelligente und vertrauensvolle Vernetzen dieses Wissens zwischen Abteilungen, Firmen und Überzeugungen erlaubt uns Außergewöhnliches. Die Zusammenarbeit mit kreativen, ehrgeizigen Partnern in vielen Bereichen, basierend auf der Zielsetzung der Win-win-Situation, kann uns sehr gut und schnell machen. Das funktioniert mit Lieferanten und Kunden, wenn Menschen sich vertrauen, kennen und nach bestimmten Werten agieren.

Hier sticht die Firmenkultur: Je ehrlicher wir miteinander umgehen, umso effizienter werden wir. Ehrlichkeit wiederum bedarf eines bestimmten Reifegrades der Partner, die Fähigkeit zur Selbstreflektion und am wichtigsten: Lassen Sie uns immer öfter unsere Arbeit machen und immer seltener uns selbst ernst nehmen. Wir möchten außergewöhnlich gute Produkte entwickeln. Dazu wollen wir Grenzen verschieben, mutig sein. Mut ist relativ, wenn man sich absichert und die richtige Mannschaft hat.



Selux beschäftigt sich schon lange mit dem Thema LED – wirkt sich dieser Vorsprung im Markt oder Projektgeschäft aus?

K.-P. Siemssen: Das müssen andere beurteilen. Richtig ist, dass die enge Kundenbeziehung zur kreativen Lichtgestalterszene fordert und somit immer ein Drang zur Innovation vorhanden ist. Wir haben weltweit eine Vielzahl von Ingenieuren, die mit unseren Kunden individualisierte Lösungen erarbeiten. So erleben wir die technischen Herausforderungen hautnah und versuchen, dies in unsere Serienprodukte einfließen zu lassen. Im Projekt erwarten Kunden individualisierte Lösungen mit Serieneigenschaften. Deshalb basieren unsere neuen Produktfamilien auf dem Baukastenprinzip.

Unsere LED-Lichtkanalsysteme bieten wir in unterschiedlichsten Optiken mit austauschbaren LED-Einsätzen an, und die komplexe Konfiguration erledigt unser Konfigurator in wenigen Minuten im Internet. Das erlaubt uns, diese breite Varianz innerhalb von 15 Arbeitstagen zu liefern. Selbst kundenspezifische Anpassungen betreffen dann oft nur eine Komponente, sodass wir auch diese entsprechend umsetzen können.

Die nächsten Familien, die wir Anfang 2014 an den Markt bringen, verfolgen alle diesen Gedanken.



Der Konfigurator ist über das Internet nutzbar. Welche Rolle spielt dieses Medium für Sie?

K.-P. Siemssen: Eine entscheidende. Viele Studenten können sich heute ein Leben ohne Auto, aber nicht mehr ohne Smartphone vorstellen. Sie arbeiten nicht mehr mit Printkatalogen. Ich möchte, dass die Internetseite das Arbeitsmedium für unsere Kunden und Mitarbeiter ist. Unsere Suchfunktion funktioniert heute schon wie Google. Sie erlaubt Nutzern in wenigen Sekunden, die gewünschte Information zu erhalten. Ein Stichwort genügt. Neben Konfiguratoren, Produktdaten und Inspiration haben wir ab November für die wesentlichen Produkte „Look books“ auf unserer Seite. Sie erläutern die jeweilige Produktphilosophie.

Ich persönlich arbeite bei Kundenbesuchen nur noch mit unserer Internetseite. Die Daten sind aktuell, weltweit erhältlich und wir verzichten zunehmend auf Print. Die „Look books“ für unsere Produktinnovationen bei der Light&Building werden wir online präsentieren.


Vielen Dank für das Gespräch.

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