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Interview Karsten Müller

Wie Trilux die Präsenz bei Lichtplanern ausbaut

Karsten Müller, Trilux
(Bild: Trilux / Christoph Meinschäfer)

Karsten Müller hat eine Ausbildung zum Elektroinstallateur absolviert und danach Elektrotechnik studiert. Seit 1990 ist er in der Beleuchtungsbranche aktiv. Im Außendienst von Eurolicht und als Vertriebspartner von Regent hat er den Vertrieb beider Firmen in Deutschland aufgebaut. Ab 2000 war Müller als Vertriebsleiter und Mitglied der Geschäftsleitung bei der Semperlux AG in Berlin tätig, dann ab 2010 verantwortlich für Vertrieb und Entwicklung von Insta Lightment. Seit 2014 ist er bei Trilux tätig, Mitglied der Geschäftsleitung, Director Architectural, Leiter des Design-Boards und Geschäftsführer der Trilux Lighting Solutions.

Herr Müller, bei Trilux hat sich ein Wandel in der Wahrnehmung vollzogen – was ist der Grund dafür?

Das ist ein langer Prozess, bei dem wir auch längst noch nicht am Ende angekommen sind. Vor einiger Zeit haben wir bei Trilux gesehen, dass wir trotz passendem Angebot bei den Projekten unterrepräsentiert sind. Wir hatten und haben eine starke Basis im Großhandel und bei den Elektrohandwerkern, aber die Lichtplaner haben uns weniger eingesetzt.

Woran lag das vor allem?

Wir haben vielleicht nicht die gleiche Sprache gesprochen – Trilux hat viel Arbeit in Entwicklung und auch viel Engagement in die Normung gesteckt und damit für eine insgesamt hohe Qualität am Markt gesorgt. Aber die etwas weicheren Faktoren, die bei der Arbeit im Projekt wichtig sind, wurden nicht so besetzt, wie es die Marktposition hier erlaubt hätte. Anders gesagt haben wir bei Effizienz voll gepunktet, aber weniger beim Architekturerlebnis. Daher haben wir an vielen Stellen angesetzt, denn es hat nicht gereicht, einfach einen anderen Katalog zusammen zu stellen und zu sagen, wir können das jetzt auch. Wir haben zum Beispiel ein mit externen Fachleuten besetztes Designboard eingerichtet, das uns in der Produktentwicklung berät und dabei hilft, Leitlinien zu entwickeln. Damit einher geht es dann, im Unternehmen auch ein Gefühl dafür zu entwickeln, was der Projektmarkt an unterschiedlicher Herangehensweise braucht.

Karsten Müller, Trilux
(Bild: Trilux / Christoph Meinschäfer)

Was ist denn dabei die Herausforderung gewesen?

Die Produkte, die Entwicklung und die Marktbearbeitung waren bis dato ja nicht schlecht und es sollte ja auch nicht alles über Bord geworfen werden. Die neue Herangehensweise zusätzlich zu etablieren war eine große Aufgabe, aber die Früchte sehen wir jetzt in den Projekten, die wir mit den verschiedenen Lichtplanungsbüros machen dürfen.

Können Sie uns da ein paar Beispiele nennen?

Da gibt es einige, aber ein wirklich gutes Beispiel für die neue Kultur bei Trilux ist unsere Niederlassung in Köln, die wir seit 2019 haben. Geplant mit Graft Architekten und mit Lichtplanung von Jack be Nimble zeigen wir dort die neuen Facetten unseres Programms: Die Leuchten in den Präsentations- und Bürobereichen sind eine gesunde Mischung aus Standard-Produkten und einigen angepassten Modellen, so dass in den verschiedenen Zonen die Sehaufgaben bestmöglich erfüllt werden können. Und die zentrale Sonderleuchte im Lobby-Bereich ist sowohl ein Hingucker als auch technisch eine Glanzleistung, die passendes Licht zum Ansehen als auch das jeweils optimale Licht für die Veranstaltungen in diesem Bereich liefert. Den Entwurf der Lichtplaner haben unsere Techniker und unsere Manufakturabteilung umgesetzt. Belohnt wurde die Arbeit am Kölner Lichtcampus mit dem German Design Award.

Also haben Sie auch neue Produktionskapazitäten aufbauen müssen?

Wir haben eine Sonderleuchtenfertigung, mit der wir die Leuchten des Standardprogramms auf die projektspezifischen Anforderungen umbauen können, ohne dass das preislich für den Kunden oder kostenmäßig für uns ins Uferlose geht. Und die spezielle Lösungskompetenz sehen wir in unserem Arnsberger Manufakturbetrieb, in dem solche Dinge wie diese Lichtskulptur umgesetzt werden können. Das mussten wir alles nicht neu erfinden, sondern eher in der täglichen Arbeit identifizieren, dann definieren und in Prozessen einrichten.

Zur Lichtplanung gehörte auch in meiner journalistischen Arbeit früher auch immer die "Beleuchtungspraxis" von Trilux, ein übersichtliches und normenfestes, aber auch hinreichend neutrales Werk – hat es das auch in die neue Zeit geschafft?

Dieses Buch kennt tatsächlich fast jeder im Markt, und es ist auch heute immer noch viel nachgefragt. Die letzte gedruckte Version ist schon etwas älter, das Werk wird aber online weiter gepflegt und gerade auch grundlegend im Rahmen der neuen Norm 12 464-1 überarbeitet. Viele schätzen daran besonders die neutrale Haltung, dass es eben nicht ein Katalog mit Zusatzinformationen ist, sondern allgemeine Informationen für eine saubere Planung enthält. Aber natürlich auch ein paar Details zu Trilux.

Zu dieser technischen "Basisarbeit" gehört auch das Engagement von Trilux in der Normung. Findet das auch weiter statt?

Wie schon gesagt, haben wir mit dem Ausbau des neuen Geschäftsfelds ja nicht unsere bewährte Tradition über Bord geworfen. Unsere Spezialisten engagieren sich weiter in der technischen Grundlagenarbeit und wir würden uns wünschen, dass auch unsere Marktbegleiter das weiter tun. Denn so haben wir eine Möglichkeit, unseren Markt zu definieren und Qualität in der Beleuchtung zum technischen Mindeststandard zu machen. So kann man auch aus einem reinen Preiswettbewerb entkommen.

Im Zuge des Klimawandels kann die Beleuchtung über die Effizienz der LED viel zur Energieeinsparung beitragen. Welche Chancen sehen Sie in diesem Bereich?

Die Nachhaltigkeit geht für uns noch viel weiter. Die Effizienz ist der Anfang, der Schlüssel zum Wandel, und das hat noch viel Potenzial. Es ist ein erster, aber nicht der finale Schritt.

Eine eigene Abteilung ist bei uns für eine bessere Produktgestaltung in diesem Sinn zuständig und sorgt dafür, dass neue Produkte nachhaltigen Strategien entsprechen. Wir gehen auch weiter und denken in neuen Kategorien, um zum Beispiel über Mietmodelle die Leuchten nach der ersten Lebensphase in weiteren Projekten einzusetzen, sodass der Materialeinsatz insgesamt deutlich verringert wird. Haben wir als Hersteller weiter Zugriff auf die Leuchten, ist auch ein Recycling besser möglich, das wir konzeptionell mit anlegen. So können wir dafür sorgen, dass Ressourcen erhalten werden und auch für Lichtprodukte eine Kreislaufwirtschaft entsteht.

Insofern ist auch in dieser Hinsicht das Besondere unser Standard, insbesondere, aber nicht nur in der Beleuchtung architektonischer Projekte.

Über die Firma
Trilux GmbH & Co. KG
Arnsberg
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