Durchblick mit Ausstrahlung: Restaurant auf dem Drachenfelsplateau

Ist der Bauherrenwunsch nach einem atmosphärischen Lichtkonzept, das gleichzeitig flexiblen Nutzungen gerecht werden soll, angesichts solcher Vorgaben überhaupt realisierbar? – Mit der Lichtlösung für das neue Restaurant auf dem Drachenfelsplateau beweisen die Lichtplaner von Licht Kunst Licht, dass die Auflösung dieser Widersprüche nicht nur technisch möglich ist, sondern gleichzeitig sehr stimmungsvoll und einladend sein kann.

Rheinromantik und Brutalismus

Der Drachenfels zwischen Königswinter und Bad Honnef am Rhein gilt als der meistbestiegene Berg Deutschlands. Die Legende eines hier hausenden Drachens ist, wenn auch wage, mit der Nibelungensage verknüpft. Die erhabene Landschaft mit Burgruine war wichtige Kulisse der deutschen Romantik. Schon 1816 kamen die steil zum Rheinufer abfallende Bergflanke, die Burgruine und Schloss Drachenburg durch ein Gedicht von George Gordon Byron zu Ruhm. Seine daraufhin anreisenden britischen Landsleute stehen am Anfang eines Touristenstroms, der nie wieder versiegen sollte. In den 1960er-Jahren zählte der Drachenfels bis zu 900 000 Besucher pro Jahr.

Solche Rekorde allerdings blieben in der jüngeren Vergangenheit aus. Rückläufige Besucherzahlen waren für die Stadt Königswinter Anlass, sich mit dem Projekt „Gesamtperspektive Königswinter – Drachenfels“ als Status-A-Projekt der Regionale 2010 zu bewerben. Im Ergebnis standen 21 Mio. Euro zur Verfügung, um den Drachenfels kulturell und touristisch attraktiver zu machen. Der Fokus richtete sich dabei unter anderem auf die gastronomische Infrastruktur auf dem Berggipfel. Sie bestand aus einem Hotel aus den 1930er-Jahren und einem knapp 40 Jahre alten Großrestaurant.

Das 1976 im Stil des Brutalismus errichtete Ausflugsrestaurant hatte sich von Beginn an mit kritischen Stimmen konfrontiert gesehen. Der ausladende Bau mit seinen horizontalen Betonbändern störte nicht nur die Wahrnehmung von Burgruine und Schloss. Da er sich bis an den südlichen Plateaurand erstreckte, schränkte seine Architektur auch die größte Attraktion des Drachenfelsens, nämlich den Rheinblick, ein. Um die bauliche Situation neu zu gestalten, wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben und der drittplatzierte Entwurf von plandrei Landschaftsarchitekten, Erfurt, und Pool 2 Architekten, Kassel, realisiert.

Glaskubus und Sitzstufen mit Aussicht

Seit der Neugestaltung erlebt der Besucher des Drachenfelsens die Natur und Landschaft, die Historie des Ortes sowie die zeitgemäße gastronomische Nutzung als eine homogene gestalterische Einheit. Wesentliches Element der Freiraumgestaltung ist eine Sitzstufenanlage, die den Blick ins Rheintal, zur Burgruine und ins Siebengebirge öffnet. In sie eingebettet liegen die Bauten für den Gastronomiebetrieb.

Direkt miteinander verbunden sind dies das alte Hotel und ein neu gebautes Restaurant, das hinsichtlich seiner Dimensionen mit der Landschaft und dem historischen Bestand harmoniert. Um den oberirdisch sichtbaren Gebäudeteil so klein wie möglich zu halten, wurden zwei komplette Geschosse mit den Funktionsbereichen unter dem ansteigenden Geländeniveau des Plateaus angeordnet. Darüber erhebt sich als transparenter Kubus aus Glas und hellem Sichtbeton das Restaurant.

Durch die Verbindung des Neubaus mit der historischen Substanz ist ein sehr flexibel nutzbares Raumgefüge entstanden. Das Ensemble erfüllt einerseits die Anforderungen einer Ausflugsgastronomie mit bis zu mehreren tausend Gästen pro Tag, gleichzeitig ist die Nutzung für Tagungen und abendliche Veranstaltungen möglich.

Panoramablick nach außen und stimmungsvolles Licht im Raum

Das Lichtkonzept für das Restaurant im Glaskubus musste vor diesem Hintergrund äußerst flexibel gestaltet werden. Eine attraktive Lösung für den Alltagsbetrieb und Glamour für abendliche Events war gefragt. Funktionieren sollte beides bei unterschiedlichsten Tischanordnungen, vom romantischen Dinner bis zum großen Bankett. Wie schafft man eine spürbar angenehme Lichtatmosphäre in einem Raum, den der Gast mit dem festen Vorhaben betritt, seinen Blick nach außen zu richten, fragten sich die Lichtplaner vom Büro Licht Kunst Licht.

Sie beantworteten diese Herausforderung mit direkt strahlenden Downlights, die durch kreisrunde Ausschnitte in den speziell für das Restaurant angefertigten Metalldeckenelementen strahlen. Im Zusammenspiel mit den im Raum vorherrschenden dunklen Oberflächen schaffen sie einladende Lichtinseln. Dafür, dass diese sich auch bei unterschiedlichen Tischkonfigurationen passend einstellen lassen, sorgt die kardanische Lagerung der Leuchteneinsätze.

Das Restaurantpersonal kann die Strahler mit einem Spezialwerkzeug vom Boden aus punktgenau ausrichten. Ihre direkte Abstrahlung und die kaum reflektierenden Oberflächen im Raum verhindern unerwünschte Reflexionen an der raumhohen Verglasung des Restaurants, der Panaromablick ins Tal bleibt ungetrübt.

Vom Tal aus sichtbare Landmark und steuerbares Farblicht

Die direkte Beleuchtung des Drachenfels-Restaurants erfüllt die Forderungen nach Flexibilität für den Gastronomiebetrieb und schafft eine attraktive Raumatmosphäre mit ungestörtem Ausblick für die Gäste. Für eine weithin sichtbare Außenwirkung, die diesem prominenten und populären Ort angemessen ist, wurde das abwärts gerichtete Licht um eine weitere Komponente ergänzt: Um den Bau, dem Status einer Landmark angemessen, vom Rheintal aus auch bei Dunkelheit erfahrbar zu machen, entschlossen sich die Lichtplaner, die Deckenuntersicht des Glaskubus einzublenden. Gefragt war dabei Behutsamkeit, denn das Drachenfels-Restaurant liegt in einem Naturschutzgebiet. Flora und Fauna sollten durch das Licht möglichst nicht gestört werden.

Eine Lösung dafür war der Einsatz farbigen Lichts. Auch bei geringen Lichtströmen lassen sich mit ihm starke Effekte erzielen. In die Kassettendecke des Restaurants wurden deshalb, hinter der perforierten Metalldecke, RGB-LED-Linien installiert. Ihr leicht diffus abstrahlendes LED-Licht illuminiert sanft die quadratischen Deckenfelder.

Über eine Lichtsteuerung, mit der sämtliche Innen- und Außenleuchten des Gebäudes verknüpft sind, kann das Restaurantpersonal die Farbe des Deckenlichts einstellen. Neben seiner Außenwirkung bietet es somit auch einen Mehrwert für den Innenraum: Ob ein besonders warmes Licht für festliche Abendgesellschaften oder die CI-Farbe für ein Firmenevent – im Drachenfelsrestaurant steht stets eine individuelle Beleuchtung zum Abruf bereit.

Weitere Infos:


Bauherr:
WWG Wirtschaftsförderungs- und Wohnungsbaugesellschaft mbH, Königswinter

Architekten:
Pool 2 Architekten, Tore Pape, Kassel

Landschaftsarchitekten:
plandrei Landschaftsarchitektur GmbH, Erfurt

Lichtplanung:
Licht Kunst Licht AG, Bonn/Berlin

Nutzer:
Restaurant & Eventlocation Hermann J. Nolden
 
Projektgröße:
ca. 3 000 Quadratmeter


Eingesetzte Leuchten:

Flos-Produkte: Deckeneinbau Downlight, Typ KAP (Restaurant Altbau EG, Foyer Neubau EG); Deckeneinbau Wandfluter, Typ KAP (Restaurant Altbau EG, Foyer Neubau EG); Deckenaufbau Richtstrahler, Typ COMPASS BOX Spot Mattschwarz (Restaurant/ Bar Neubau EG)
 
Insta-Produkte: LED Profil, Typ LEDLUX linear (Bar Neubau EG, Bar-/Garderobenmöbel, Imbiss Neubau SG)
 
Erco-Produkte: Deckeneinbau Richtstrahler, Typ Gimbal (Imbiss Neubau)
 
Selux-Produkte: Deckeneinbau Profilleuchte, Typ System M100 (Tagungsräume Altbau, Vorraum Aufzug Altbau)

Licht Kunst Licht - www.lichtkunstlicht.com
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