Ernesto Gismondi - Artemide: "Prägend"

Steckbrief
Geboren in San Remo am 25.12.1931 hat Ernesto Gismondi 1957 in Mailand einen Abschluss als Ingenieur für Luftfahrttechnik gemacht, 1959 zusätzlich einen Abschluss in Raketentechnik in Rom. Seit den frühen Sechzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts beschäftigt er sich mit dem Entwurf und der Produktion von Leuchten und Licht. Dazu gründete er zusammen mit Sergio Mazza das Studio Artemide, aus dem dann später die Artemide Group hervorging. Als international anerkannter Designer setzt sich Gismondi im Zusammenhang mit der Memphis-Bewegung durch, die er mit initiierte. Im Stil dieser Bewegung, die das italienische und internationale Design beeinflusste, gestaltete er mehrere erfolgreiche Leuchten für Artemide. 
Unter Gismondis Führung entwickelte sich Artemide zu einem international erfolgreich tätigen Unternehmen, was mit Auszeichnungen wie dem Compasso d’Oro (1994) und dem Europäischen Designpreis (1997) honoriert wurde. Daneben war er an der Uni in Mailand tätig und Vorsitzender verschiedener Verbände und Organisationen. Auch im Board des Mailänder Messeorganisators Cosmit ist er aktiv. 2008 erhielt er den von Ernst & Young vergebenen Preis „Unternehmer des Jahres“ in der Kategorie Innovationen. Giorgio Napolitano, Präsident der italienischen Republik, verlieh ihm den Titel „Cavaliere del Lavoro“, der an bedeutende Personen der Industrie vergeben wird.
Schon seit Jahren beschäftigen sich Artemide und Gismondi selbst mit dem Thema Energieeffizienz und insbesondere dem Einsatz von LED. Dies spiegelt sich in vielen eigenen Entwürfen, aber auch übergreifenden Themen wie MyWhiteLight bei Artemide wieder. Design-Evolutionen wie die LED-Version der Tolomeo gehen ebenfalls in diese Richtung.
Was war über die Unternehmensgeschichte hin gesehen die wichtigste Leuchte für Sie bei Artemide?

E. Gismondi: Dazu kann man nicht nur eine einzelne Leuchte nennen. Zu Beginn, als wir in den 1950er-Jahren mit Artemide begannen, war es die Zusammenarbeit mit bekannten Architekten, aus der wichtige Leuchten entstanden sind, so etwa mit Gio Ponti die Wandleuchte Fato. Zu anderen Zeitpunkten unserer Geschichte  sind dann neue, für die Zeit wichtige Leuchten entstanden, zum Beispiel die Tizio von Richard Sapper. Oder die Tolomeo von Michele De Lucchi.
Überhaupt versuchen wir als internationales Unternehmen auch immer, mit den Menschen vor Ort zusammenzuarbeiten und so Impulse aus den Märkten zu bekommen, die wir international erschließen. Nehmen Sie beispielsweise Richard Sapper, der uns deutsche Impulse gebracht hat.



Was ist der wichtigste Ländermarkt für Sie?

E. Gismondi: Vom Umsatz her ist Deutschland sehr wichtig und ein Markt auf dem wir schon lange tätig sind. Ein momentan wachsender Markt, ist die arabische Welt, zum Beispiel Dubai, wo wir auch gut positioniert sind und noch viel erwarten.



Haben Sie da auch bereits lokale Designer, mit denen Sie zusammenarbeiten?
E. Gismondi: Nein, noch nicht. Wir schauen uns da aber intensiv in der Designszene um, damit wir auch dort Designs realisieren können. Mit Karim Rashid arbeiten wir aber zumindest schon intensiv mit jemandem zusammen, der seine Wurzeln in diesem Kulturraum hat.


Ist LED für Sie die Zukunft?
E. Gismondi: Ja. Denkt man an Nachhaltigkeit und an Energieverbrauch, so ist die LED für mich das Leuchtmittel der Zukunft. Mit der LED werden erst Entwicklungen wie Solar Tree möglich, eine von der zentralen Energieversorgung unabhängige Außenleuchte mit Solarpaneelen und LED, die wir zusammen mit Ross Lovegrove entwickelt haben. Dies ermöglicht Licht, ohne erst ein Stromnetz bauen zu müssen.
Die Entwicklung geht da rasant weiter und wird eine weitere Evolution in der Lichttechnik bringen. Man sieht das, denke ich, an vielen unserer neuen Produkte, aber auch an den Klassikern. Die Tolomeo haben wir beispielsweise um Versionen für LED erweitert, sodass sie mit unserer My White Light-Philosophie die Lichtfarbe selbst bestimmen können, unter der Sie sitzen.
Es ist aber für viele Leute ungewöhnlich, die Tolomeo ohne die charakteristische Glühbirne zu sehen, für die sie damals gestaltet wurde. Noch verkaufen wir die neue Version zu wenig, die Kunden sind anscheinend noch nicht so weit.

Was denken Sie in diesem Zusammenhang vom Glühlampenverbot der EU?

E. Gismondi: Das Verbot war absolut notwendig, denn ohne dieses Verbot wäre es so weitergegangen und die nachhaltigen Produkte wären zu langsam auf den Markt gekommen. Es wird jetzt viel Entwicklungsaufwand in die neuen Produkte gesteckt, den man sonst nicht gehabt hätte.
Man kann das vergleichen mit der deutschen Autobahn. Auch da wäre es vernünftiger für die Umwelt, langsamer zu fahren, aber mit dem Satz „Bitte, fahren Sie doch etwas weniger schnell“ kommen Sie da auch nicht weiter.

Wie sehen Sie die Einsatzmöglichkeiten von LED zur Zeit?
E. Gismondi: Für einzelne Produkte und immer mehr Teile oder Nischen des Marktes ist sie sehr gut geeignet, aber als kompletter Einsatz für andere Lichttechniken noch nicht. Wenn wir momentan Projekte sehen, die ausschließlich mit LED gemacht werden, ist dies ein Trendsetter, der zeigen will, dass er ganz vorn an der Spitze des Trends steht.



Die Tolomeo ist eine der bekanntesten, aber auch eine der am meisten kopierten Leuchten von Artemide.  Nehmen Sie da
Änderungen wahr, wird da mehr kopiert oder weniger?

E. Gismondi: Nein, da kann man nichts feststellen. Die Leuchte ist anscheinend immer noch sehr gefragt. Allerdings sind wir da auch sehr kompromisslos. Wenn wir von Kopien erfahren, egal wo, setzen wir unsere Schutzrechte durch und nehmen die Kopien vom Markt. Das kostet uns manchmal ein Vermögen, besonders wenn wir außerhalb von Europa agieren, aber wir setzen das durch. Unsere Designs schützen wir in aller Konsequenz.

Herr Gismondi, vielen Dank für das Gespräch.

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Fotos: Ingmar Kurth
http://www.artemide.com
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