LED-Test: Ersatz für Halogenlampen mit G9-Sockel

Denn beim genaueren Blick auf die Parameter offenbart sich das Dilemma: Fürs Erste scheinen die chinesischen No-Name-Produkte zu funktionieren, beim genaueren Untersuchen per Messgerät zeigen sich die Schwächen, die mit bloßem Auge nicht sichtbar sind.

Wir haben auf der Messe GILE in Guangzhou einige Muster der gängigen Lampen beschafft, die in etwa der Leistung einer 20-W-Halogenlampe entsprechen. Dies ist in etwa Stand der Technik, da das Leuchtmittel an sich sehr klein ist und damit wenig Masse bietet, die als Kühlkörper genutzt werden kann. Dann sind die Lampen oft auch in engen Leuchten verbaut, sodass auch die Umgebungsluft nicht sehr viel zur Kühlung beitragen kann. Beides limitiert die Leistung, die der Entwickler in das Retrofit einplanen kann. Mit steigender Effizienz werden allerdings auch hier, genauso wie bei den anderen Lampenklassen, weitere Leistungsstufen erreicht werden.

G9-Halogen-Ersatz in zwei Bauweisen
Beim Aufbau der Retrofits werden zwei grundlegend verschiedene Bauweisen sichtbar. Die eine (A) setzt auf einen oder nur wenige LED-Chips im Zentrum, aufgesetzt auf einen Kühlkörper. Das Licht wird dann über einen einfachen Diffusor oder ein aufwändigeres optisches Element verteilt. Diesen Aufbau nutzen beispielsweise auch Markenhersteller wie Ledon oder LG.

Die zweite Alternative (B) setzt auf sehr viele Mikro-LEDs, die günstig auf dem Markt verfügbar sind und aufgrund der geringen Leistungsaufnahme auch wenig Wärme erzeugen. Zusammen mit ein paar weiteren elektronischen Bauteilen werden über 60 dieser LEDs auf dem Retrofit platziert, was gleichzeitig für eine gute Rundum-Abstrahlung sorgt. Die gesamte Elektronik wird dann in eine Vergussmasse gebracht, die Schutz bietet. Im Betrieb wird auch diese LED sehr warm, was zumindest auf einen gewissen Wärmedurchgang der Vergussmasse hindeutet.
Die auf der Messe beschafften Retrofits sind aus beiden Bauweisen (jeweils mit A oder B gekennzeichnet). Zum Vergleich: Die hier erhältlichen Retrofits von Ledon und LG sind beide in Bauweise A ausgeführt. Getestet wurde jeweils nur eine Lampe, was daher keine Rückschlüsse auf die gesamte Qualität einer Baureihe oder eines Herstellers zulässt, aber deutlich Trends und Schwachstellen erkennen lässt.

Sieht man sich die Daten genauer an, so bewegen sich die Lampen im Bereich von 2 W bis 3 W Leistungsaufnahme und zeigen ordentliche Lichtausbeuten, die zumeist im Bereich von 70–80 lm/W liegen. Rein danach beurteilt erreichen die Lampen Effizienzwerte, die für ein A+ oder sogar A++ auf dem EU-Label ausreichen würden.
Die Schwächen der LED-G9-Alternativen
Schwächen zeigen sich aber beim Power-Factor, dem Leistungsfaktor der Lampen. Hier erreicht fast die Hälfte der Lampen nur Werte um 0,3, was für eine hohe Scheinleistung sorgt. Für die Beurteilung ebenfalls negativ fallen die für eine Heimanwendung viel zu hohen Farbtemperaturen des Lichts aus. Bis auf eine Ausnahme liegen diese über 6.000 K, bei einer Lampe sogar bei 11.000 K, was nicht akzeptabel ist.

Beim CRI, der bei unserem letzten Test noch ein großes Problem war, kommen die Leistungen inzwischen besser nach. Hier bewegen sich alle Kandidaten um den geforderten Mindestwert von 80, wenn auch einige im besonders gefragten roten Bereich (R9) noch Schwächen haben.

Fazit des LED-G9-Lampentests
Auch dieser Test zeigt (wie auch unser Retrofit-Test vor zwei Jahren), dass von den NoName-Produzenten in Asien zwar gut aussehende Produkte gemacht werden, diese aber ohne passendes Equipment nicht beurteilt werden können. Inzwischen sind die Anforderungen für Lichtprodukte sehr viel höher und präziser geworden als noch vor Jahren – hier hat die Regulierung der EU für einen guten Mindeststandard gesorgt. Und den gilt es seitens der Hersteller und Anbieter einzuhalten.

Für den Verbraucher sind die ersten Modelle, die in der Klasse der Retrofits für 20-W-Halogenlampen auf dem Markt sind, durchaus schon gut einsetzbar, vor allem bei den Markenprodukten. Die fortschreitende Entwicklung bei den LEDs wird auch hier mit der Zeit dafür sorgen, dass auch für den G9-Sockel bald weitere Alternativen zur Verfügung stehen und weitere Leistungsstufen erreicht werden können. Wir werden das beobachten.
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