Freiburger Münster erstrahlt in neuem Licht

Freiburg ist eine von zehn Gewinnerkommunen des mit jeweils 2 Millionen Euro dotierten Wettbewerbs. Das von der Stadt eingereichte Konzept für die erstmalige Beleuchtung des mittelalterlichen Münsters mit speziellen LED-Bodeneinbau- und Aufbaustrahlern abgeleitet aus der Architekturlichtserie der Hess AG entsprach den Erwartungen der Jury an ein Leuchtturmprojekt, das den Einsatz der LED-Technik in Deutschland vorantreibt.

Freiburg verfolgt als Green City seit Jahren eine ehrgeizige Umweltpolitik. „Gleichzeitig wird hier viel Wert auf Tradition gelegt“, erklärt Baubürgermeister Professor Dr. Martin Haag und verweist auf die nach 1945 auf dem historischen Grundriss wiederaufgebaute Altstadt, die mit ihrem mittelalterlichen Flair jährlich über 12 Millionen Tagestouristen anlockt.

Die Vorgabe an den Lichtplaner Walter Bamberger lautete dann auch, ein Beleuchtungs-konzept für das Münster zu entwickeln, das den typischen Charakter der Altstadt unterstreichen würde. „Die Menschen auf dem Münsterplatz sollen sagen: das ist Freiburg und nicht London oder New York“, beschreibt Haag seine Wunschvorstellung, die er dem Lichtplaner mit auf den Weg gab.

Bamberger begreift den Münsterplatz „als einen der wenigen Plätze in Deutschland, wo man die Dunkelheit noch spüren darf“. Deshalb entschied er sich für den Einsatz sehr warmweißer LEDs und eine niedrige Leuchtdichte. „Das Münster selbst soll auf die Bürger, die abends gern bei einem Glas Wein auf der Südseite sitzen, wie ein Stück herübergerettetes Mittelalter wirken“, erläutert Bamberger die Idee hinter der Inszenierung des gotischen Bauwerks.

Lichttechnisches Fingerspitzengefühl gefragt
„Mit wenig Licht zu arbeiten, gehört für einen Lichtplaner zu den schwierigsten Aufgaben", weiß Bamberger aus langjähriger Erfahrung. Hinzu sei die Forderung nach großer Plastizität und räumlicher Tiefe gekommen, wobei für die Anstrahlung der Türme von vornherein Standorte vorgegeben waren. „Standardlösungen stoßen hier an ihre Grenzen", so Bamberger. Die LED-Systeme der Hess AG hätten sich allerdings als flexibel und ausbaufähig erwiesen.

In Zusammenarbeit mit Lehner WerkMetall als Kooperationspartner der Hess Gruppe wurden die Reflektorensysteme auf Grundlage von Computersimulationen modifiziert, teilweise zusätzliche Diffusoren und Lichtfallen eingesetzt sowie spezielle Kühlelemente, Betriebsgeräte und Netzteile verbaut.

Für eine Angleichung der Lichtfarbe an die historische Sandsteinfassade sorgen Farbfilter. „Auf diese Weise trägt die Anstrahlung dem Charakter des Bauwerks in besonderer Weise Rechnung", erläutert Jürgen Lehner.

In mehreren Beleuchtungsproben vor Ort wurde die ästhetische Wirkung der Strahlersysteme getestet, sofern erforderlich wurden diese im Lichtlabor bei Lehner nachbearbeitet und anschließend im Labor des Ingenieurbüros Bamberger in Pfünz bei Eichstätt überprüft. Da sich Fassadentexturen, Lichtfarbe und die räumliche Wirkung im Labor kaum simulieren lassen, ist die Bemusterung für Lehner „unverzichtbar, um das Ergebnis zu optimieren".
Optimierte Bodenstrahler
Insgesamt sind über 40 modifizierte Teramo-Strahler von Hess als Bodeneinbauleuchten rund um das Freiburger Wahrzeichen bündig in den Pflasterbelag eingelassen. Die Abstände zur Fassade betragen bis zu zwei Meter. Sie illuminieren die Fassaden, Figuren sowie das gotische Hauptportal und das Südportal im Renaissancestil.

Die linearen, 675 mm langen und 220 mm breiten Teramo-Systeme verfügen über parallel verlaufende Reflektoren. „Diese haben wir in den Ausstrahlungseigenschaften individuell an die gotische Fassadengeometrie angepasst", erläutert Lehner. Zudem seien die Leistungswerte der einzelnen Reflektorensysteme unterschiedlich eingestellt worden. Für eine in der Längsachse breite und homogene Lichtverteilung sorgen spezielle Diffusoren.

In die Bodenleuchten sind zusätzlich Lichtfallen in die Reflektorenflächen integriert. „Sie bewirken eine nahezu komplette Entblendung im Nahbereich, sodass die Fußgänger ohne Beeinträchtigung flanieren können", so Lehner.

Die Beleuchtung der Außenwände von Hauptschiff und Hochchor (Obergaden) übernehmen Varianten des Teramo-Strahlers vom Seitenschiff und Chordach aus. Die drei Säulen vor dem Münster werden von jeweils vier kleineren, quadratischen Bodeneinbausystemen in Licht getaucht.

Engstrahlende LED-Powersysteme setzen Türme in Szene
Für eine gleichmäßige Ausleuchtung und attraktive Fernwirkung des 116 Meter hohen Hauptturms sorgen 18 hocheffiziente LED-PowerBeam-Strahler mit einem Ausstrahlwinkel von 1,5 Grad und speziellen Aluminiumoptiken. Weitere 16 beleuchten die beiden Hahnentürme.

„Es handelt sich dabei um ein neuartiges LED-Modulsystem, das eine Mehrfachanordnung in einem Leuchtengehäuse zulässt. Durch den sehr engen Ausstrahlwinkel wird eine exakte Bündelung des Lichts und dadurch eine hohe Effizienz erreicht", erläutert Lehner den Vorteil dieser Strahler.

Sie wurden auf den Dächern des Münsters und umliegender Gebäude angebracht. Die Anstrahlung des Hauptturms wird durch Teramo-Bodenstrahler ergänzt, um dessen Plastizität besonders herauszuarbeiten.

Überzeugende Energiebilanz
Wie energiesparend die neue LED-Beleuchtung gegenüber einer Anstrahlung mit konventionellen Leuchtmitteln ist, zeigt sich am Hauptturm, der zuvor bereits beleuchtet war. Die Leistung konnte von 1.100 Watt auf 400 Watt gesenkt werden.

Dies entspricht den Erfahrungen des Lichtplaners Bamberger und der Beleuchtungsspezialisten bei der Hess AG, welche Lehner auf einen kurzen Nenner bringt: „Wenn LED-Systeme effizient genutzt werden, sehen wir eine Einsparung gegenüber konventionellen Leuchtmitteln von mindestens 50 Prozent. Dazu muss allerdings die Lichtlenkung optimal funktionieren."

Insgesamt werden für die Anstrahlung des Münsters mit Türmen, Säulen und Portale nur 3.850 Watt benötigt. Die 110 installierten LED-Leuchtensysteme zeichnen sich neben dem geringen Energieverbrauch insgesamt durch hohe Blendbegrenzung und minimale Lichtemissionen aus.

Großen Wert legte der Planer außerdem darauf, die ohnehin sehr kompakten Beleuchtungskörper so zu positionieren, dass die Tagwirkung des herausragenden Kulturdenkmals in keiner Weise gestört wird.

Weitere LED-Projekte folgen in Kürze
Weitere Innovationsprojekte im gesamten Stadtbezirk werden folgen. Neben den Stadttoren und anderen architektonischen Highlights sollen auch Standardsituationen wie technische Straßenbeleuchtungsanlagen auf die neue LED-Technologie umgerüstet werden.

In bestimmten Stadtbezirken ist vorgesehen, LED-Straßen- oder Wegebeleuchtung mit Inszenierungen zu verbinden. Auch Kombinationen aus LED- und Solartechnologie werden zukünftig in Freiburg ihren Platz bekommen. So werden nächstes Jahr solarbetriebene LED-Leuchten am Ufer der Dreisam Einzug halten.
Hess AG - www.hess.eu
Newsletter

Das Neueste der
ema direkt in Ihren Posteingang!