Lebenslanges Lernen: Weiterbildung zum Thema Licht und Beleuchtung

Das Thema Licht wird immer komplexer und erfordert daher neue Bildungsgrundlagen. Foto: © contrastwerkstatt - Fotolia.com
Schwierig wird es dabei, sich noch zurecht zu finden, denn der Markt für Weiterbildung ist in den letzten Jahren angewachsen. Es gibt die etablierten Anbieter, wie etwa das DIAL (s. Interview), die seit Jahren Fortbildungen zum Thema Licht anbieten, aber auch viele andere Technik-Wissen-Anbieter, die jetzt neu zum Thema kommen. Dazu gesellen sich Herstellerseminare, die manchmal "nur" Produktschulungen sind, manchmal aber auch tief gehendes Wissen vermitteln. Anbieter wie Trilux betreiben das Weiterbildungsgeschäft inzwischen über eine eigenen Akademie, die ganz unterschiedliche Anforderungen befriedigen kann.

Es gibt dazu einige Initiativen, das Wissen zu formalisieren und etwas zu schaffen, was bisher noch nicht am Markt war (abgesehen von Studiengängen), nämlich einen Abschluss zum Thema Licht. Ob das nun ein DIN-geprüfter Lichttechniker oder ein European Lighting Expert ist, es soll jedenfalls ein nachprüfbares Niveau erreicht und damit Vergleichbarkeit geschaffen werden. Eine Vergleichbarkeit, die für den Arbeitgeber und den Auftraggeber eines Gutachtens Sicherheit gibt oder dem Nutzer einer Planung zeigt, mit wem er es denn zu tun hat.

Dazu passt, dass es nun mit dem Industriemeister Licht erstmals einen Abschluss in der Branche gibt, der die Herstellung ganz besonders stärkt - mehr dazu im Kasten auf Seite 73. Allerdings bewegt sich dieser Abschluss auf einem ganz anderen Feld, sowohl thematisch als auch formal, denn der Industriemeister reiht sich direkt in die anerkannte Berufsausbildung ein und ist mit einem international arrivierten, öffentlich-rechtlichen Abschluss versehen.

Zertifizierter Lichttechniker
Bei der Planung von Beleuchtung kommt es heute darauf an, mehr als nur Energieeffizienz zu betrachten. Mit Licht lassen sich Emotionen wecken, die Gesundheit fördern und die Leistungsfähigkeit stärken. Die Zusammenhänge zwischen physiologischen und psychologischen Wahrnehmungen, Lichtwirkungen, Beleuchtungsanlagen, aktuellen Betriebsmitteln, deren Steuerungen sowie der wirtschaftlichen Bewertung werden zudem deutlich komplexer und erfordern interdisziplinäre Kenntnisse über verschiedene fachliche Gebiete hinweg, um diese unter Beachtung der Ökologie und Ökonomie optimal in der Innenbeleuchtung einsetzen zu können.

Um einheitliche Definitionen der Anforderungen an die Qualifikation von Personen im Bereich Beleuchtung zu erstellen, hat der Normenausschuss Lichttechnik (FNL) im DIN Deutsches Institut für Normung e. V.  jeweils für die Innen- und Außenbeleuchtung eine Norm erstellt — die DIN 67517 Lichttechnik – Anforderungen an die Qualifikation des „zertifizierten Lichttechnikers” (Innenbeleuchtung) und die DIN 67518 für die Außenbeleuchtung. Beide können nun als Grundlage für eine zertifizierte Prüfung dienen, erste Prüfungsdurchgänge sind bereits erfolgt.

Hierfür legt der Prüfling eine der Norm entsprechende Prüfung vor einem DIN-zertifizierten Prüfer ab, das Wissen dazu kann er selbst oder in Kursen erwerben. Die Trilux-Akademie bietet beispielsweise in Kooperation mit dem BFE-Oldenburg eine modulare Seminarreihe an, mit der sich die Teilnehmer auf die Prüfung zum DIN-Geprüften Lichttechniker Innenbeleuchtung vorbereiten können. Die ersten Absolventen ziehen ein durchweg positives Fazit. „Das Zertifikat zum DIN-geprüften Lichttechniker Innenbeleuchtung ist ein exzellentes Instrument, um die Qualifikation gegenüber dem Markt und den Kunden glaubwürdig zu belegen“, erklärt Heiner Hans, Leiter der Akademie.

Um die Teilnehmer optimal auf die Prüfung vorzubereiten, bietet die Trilux-Akademie in Zusammenarbeit mit dem BFE-Oldenburg seit September 2014 eine elfteilige, modular aufgebaute Seminarreihe an. Nach den ersten Prüfungen im April und Juni diesen Jahres gibt es inzwischen 21 Absolventen, die auf Basis der DIN-Norm 67517 als DIN-Geprüfter Lichttechniker Innenbeleuchtung zertifiziert wurden. „Das durchweg positive Fazit hat uns bestärkt, den eingeschlagenen Weg weiter zu verfolgen“, so Hans.

Zwei Teilnehmer, die sich mit der Seminarreihe vorbereitet haben, berichten über ihre Erfahrung:
Carsten Egeler, Projektleitung Elektrotechnik und Lichtplanung bei der Ingenieurgesellschaft Hetzel, überzeugte besonders die fachliche Tiefe der Seminare. Vor allem auf technischer Ebene konnte der gestandene Lichtplaner sein Wissen – trotz 15-jähriger Berufserfahrung – weiter ausbauen. Für Egeler ist ein fundiertes Fachwissen die Grundvoraussetzung, um eine Beleuchtungsanlage gestalterisch ansprechend und technisch einwandfrei zu planen. Aber nicht nur aus diesem Grund ist Egeler von der Ausbildung zum DIN-geprüften Lichttechniker begeistert: „Die Zertifizierung hat sich bereits als echter Wettbewerbsvorteil herausgestellt, wir werden aktiv von Bestands- und Neukunden darauf angesprochen“, so Egeler.

Jan-Hendrik Lettau arbeitet als Projekt-/Vertriebsingenieur für den Bereich Contracting bei der EWE Vertrieb GmbH. Aktuelles Wissen ist für ihn elementar, um die Energiepotenziale bei Kunden zu identifizieren – und um die Beleuchtungslösungen bestmöglich zu planen und umzusetzen. „Vom Besuch der Seminarreihe habe ich enorm profitiert. Jeder Seminarschwerpunkt wurde detailliert und anschaulich erörtert, so dass ich mich bestens auf die Zertifizierungsprüfung vorbereiten konnte“, fasst Jan-Hendrick Lettau zusammen. Wichtig ist für Lettau auch der objektive Qualifikationsnachweis, mit dem er seine Kompetenz im Kundengespräch belegen kann.
Der European Lighting Expert
Mit dem Ziel, einen gemeinsamen Bildungsstandard zu etablieren, entwickeln die Lichttechnischen Gesellschaften Deutschlands (LiTG), der Niederlande (NSVV), Österreichs (LTG) und der Schweiz (SLG) in einem Kooperationsprojekt ein Ausbildungs- und Prüfungsprogramm, das den erfolgreichen Absolventen als »European Lighting Expert (ELE)« ausweist. Das Projekt ist wegweisend für daraus resultierende gemeinsame Aktivitäten und steht weiteren europäischen Lichtgesellschaften offen. Je größer das Interesse am Thema Licht, desto mehr Akteure mit unterschiedlichsten, vielfach nicht einschätzbaren Ausbildungshintergründen bieten ihre Dienste an. Die zunehmende Globalisierung erfordert darüber hinaus länderübergreifende Standards.

Vor diesem Hintergrund haben die vier deutschsprachigen Lichtgesellschaften das Projekt "European Lighting Expert (ELE)" realisiert. Träger dieses Titels weisen sich als Lichtfachleute aus, die umfassende Kenntnisse in der Innen- und/oder Außenbeleuchtung praxisorientiert anwenden  können. Umfang und Art des nachzuweisenden Kenntnisstands haben die beteiligten Gesellschaften gemeinsam erarbeitet. Eine erfolgreich bei den nationalen Lichtgesellschaften abgelegte Prüfung berechtigt zum Führen des Titels. Die ersten Prüfungen sind für 2016 vorgesehen.

Kern des ELE bilden ein zentrales, öffentliches Register, in dem jeder European Lighting Expert verzeichnet ist, und ein internationales Qualitätsmanagement, das gleiche Anforderungen und Inhalte in den Prüfungen der verschiedenen Länder sicherstellt. Der registrierte European Lighting Expert besitzt theoretisches Basiswissen zu den verschiedenen Bereichen des Lichts. Durch berufliche Tätigkeit und Weiterbildungen bleibt er auf dem neuesten Kenntnisstand.

Vorbereitung zur Registrierung durch Schulung
Die Registrierung zum European Lighting Expert ermöglicht die Einordnung von Lichtfachleuten und gibt Orientierung über ihre Qualifikation und den Leistungsgrad der Unternehmen, die Fachleute mit diesem Titel beschäftigen. LiTG, LTG, NSVV und SLG als herstellerneutrale, unabhängige Gesellschaften stehen mit ihrer Reputation hinter dem European Lighting Expert und garantieren das hohe Niveau sowie den einheitlichen Kenntnisstand der registrierten Lichtfachleute. Weitere Informationen bietet die Webseite http://europeanlightingexpert.org.

Im Rahmen des europäischen Programms hat die LiTG ein eigenes Schulungs- und Prüfungsprogramm zum „Geprüften Lichtexperten (LiTG)” aufgelegt. Die Schulung vermittelt optimal die benötigten Kenntnisse. Das Bestehen der Prüfung erlaubt die Registrierung zum European Lighting Expert. Es gibt keine Zulassungsbeschränkung, d.h. Fachleute in Licht und Beleuchtung können sich direkt zur Prüfung anmelden, ohne zuvor das LiTG-Schulungsprogramm durchlaufen zu haben.

In insgesamt zehn zweitägigen Modulen hat man die Möglichkeit, sich die Grundlagen anzueignen und sich auf hohem Niveau in der Innen- und Außenbeleuchtung weiter zu bilden. Die Seminare zum Geprüften Lichtexperten (LiTG) vermitteln zum einen theoretische Grundlagen für qualitativ hochwertige Beleuchtung. Die didaktisch vorgebildeten Dozenten sind in der Wissenschaft oder der Wirtschaft tätig und bringen Aktualität und Erfahrung in die Seminare ein. Der geprüfte Lichtexperte (LiTG) beherrscht ebenfalls die Inhalte der Normen zum DIN-Geprüften Lichttechniker.

Industriemeister/in – Fachrichtung Licht und Beleuchtung


Ein Meilenstein für die Fachkräftesicherung:
In kaum einer anderen Branche der deutschen Wirtschaft ist der technologische Wandel so intensiv spürbar wie in der Licht- und Leuchtenindustrie. Dabei haben sich nicht nur die Paradigmen in der Konstruktion von Leuchten grundlegend verändert. Die LED fordert auch neue Kompetenzen in der Steuerungstechnik ein, um im Ziel neue Technologiebezüge zu ermöglichen (z.B. intelligente Lichtsteuerung im Internet der Dinge) sowie neue Beleuchtungsmehrwerte schöpfen zu können (z. B. visuelle Lichtkommunikation „VLC“ oder biologische Lichtwirkung auf den Menschen „HCL“).

Um in diesem Veränderungsprozess leistungsfähig zu bleiben, sind die Fertigkeiten und Fähigkeiten der betrieblichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von hoher Bedeutung. Doch entspringen die vorhandenen Kompetenzen den Bedingungen konventioneller Beleuchtung. Mit der LED-Technologie verschiebt sich hingegen der Fachkräftebedarf von Elektrik zu Elektronik bzw. in neue Querschnittsbereiche, was Aus- und Weiterbildung in den Mittelpunkt der unternehmerischen Bedarfe stellt.

Abgesehen von vereinzelten Seminarangeboten existiert in Deutschland keine fachspezifische, öffentlich-rechtlich anerkannte Aus- und Weiterbildung, die den lichtspezifischen Bedarfen der kleinen und mittleren Leuchtenunternehmen im technischen und kaufmännischen Bereich gerecht wird. Erst und alleinig im Tertiärbereich ist Lichttechnik im Bildungssystem verankert. Bis heute muss das technische oder kaufmännische Personal somit aus fachfremden Berufszweigen rekrutiert werden. Licht- und beleuchtungsspezifisches Wissen wird dann vorrangig über den Beschäftigungsverlauf hinweg selbständig oder betriebsintern angeeignet.

Auf diesen strukturellen Missstand hat das Lichtforum NRW reagiert und eine Vorschrift zum/zur geprüften „Industriemeister/in – Fachrichtung Licht und Beleuchtung“ entwickelt, die nun von der IHK Arnsberg rechtskräftig veröffentlicht wurde. Hiermit ist es gelungen, erstmalig einen öffentlich-rechtlich anerkannten Weiterbildungsabschluss für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Licht- und Leuchtenbranche ins Leben zu rufen, der explizit auf die Bedarfe der Leuchtenkonstruktion zielt und hierbei insbesondere auf die neuen Rahmenbedingungen infolge von LED- und Steuerungstechnik eingeht. Das Lichtforum NRW geht mit der IHK nun in die Bewerbung und weitere Organisation der Weiterbildung. Es kann damit gerechnet werden, dass die Weiterbildung schon im Frühjahr 2016 mit entsprechenden Vorkursen startet.

DIN Deutsches Institut für Normung e. V. - www.din.de
DIAL - DIAL GmbH - www.dial.de
TRILUX Akademie - www.trilux-akademie.com
LiTG - www.litg.de
European Lighting Expert - www.europeanlightingexpert.org
Lichtforum NRW - www.lichtforum-nrw.de
IHK Arnsberg - www.ihk-arnsberg.de
Newsletter

Das Neueste von
HIGHLIGHT direkt in Ihren Posteingang!