Gut Gerüstet: Stefano Bordone – Präsident Assoluce, Chairman Kundalini

Zur Person
Stefano Bordone (Jahrgang 1962) studierte Unternehmensstrategie an der Luigi-Bocconi-Universität in Mailand und arbeitete dort als Berater. Anschließend wechselte er zum Verlag Gruppo Editoriale Domus, baute gleichzeitig das Automotive Safety-Center Vairano auf und wurde dort Geschäftsführer der Betriebsgesellschaft. 2002 wurde er Teilhaber bei Kundalini und leitete dort als Geschäftsführer eine Neuorientierung des Untenehmens ein. 2006 verließ er die Gruppo Domus und widmete sich voll Kundalini als Chairman.

Ab 2011 war er Vizepräsident des Herstellerverbands Assoluce, dessen Präsident er seit Juni 2014 ist. Dazu ist er auch im Board des Salone del Mobile vertreten. Stefano Bordone ist verheiratet und hat zwei Kinder.
Herr Bordone, wie ist zurzeit die Situation der Designleuchtenhersteller in Italien?
S. Bordone: Der Markt insgesamt ist um 0,3 % gewachsen, was gut ist im Vergleich zu früheren Jahren. Strukturell ist die Industrie ebenfalls in Ordnung, da wir sehr exportorientiert aufgestellt sind – wir exportieren etwa 68 % unseres Outputs. Damit haben wir uns von der Rezession in Italien abgekoppelt. Natürlich nicht alle; einige unserer Mitglieder haben dadurch stark gelitten, einige weitere sind ganz vom Markt verschwunden, aber insgesamt gesehen stehen wir durch die Exportorientierung gut da.

Was uns Probleme macht, sind die üblichen Schwierigkeiten des Exporteurs, zum Beispiel der russische Markt.  



Ist die Leuchtenbranche hier für das Thema LED gut
aufgestellt?

S. Bordone: Natürlich, die Industrie ist bereit für die LED. Das müssen wir auch, weil wir ja Produzenten von Leuchten sind, nicht die der Lichtquellen. Ob uns das gefällt oder nicht, wir müssen uns an die neuen Regeln anpassen.

Ich glaube, dass es für den Markt der Heimbeleuchtung noch kein großer Vorteil ist, LED einzusetzen, da die Anschaffungskosten jetzt noch zu hoch sind. Der Payback über die  Energieersparnis ist noch zu lang und wird nicht von allen Verbrauchern als Vorteil angenommen. Auch im Markt für Hospitality, wo schon stärker die herkömmliche, energiesparende Technik eingesetzt wird, muss die LED noch in der Effizienz wachsen – verglichen mit einer guten CFL ist die LED in Bezug auf Lichtstrom gesehen noch nicht viel besser.



Wird sich das durch die Möglichkeit, die LED zu steuern, ändern?
S. Bordone: Hier werden vor allem die großen Firmen investieren, weniger die kleinen Firmen. Besonders in Italien haben wir aber sehr viele kleine Firmen, bei denen es sehr lange dauern wird, bis solche Dinge in Angriff genommen werden.

Wir diskutieren mit der Regierung, LED mit Programmen zu fördern, das wird aber nur auf erweiterte steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten hinauslaufen, direkte Subventionen sehe ich da eher nicht.



Im Heimbereich nimmt das Thema Home Automation zu – wird das in Italien auch so sein?

S. Bordone: Eher nicht. Ich sehe ein paar der Kollegen, die sehr zurückhaltend mit dem Thema umgehen. Leuchten werden da kaum speziell vorbereitet. Ich denke auch, dass dafür direkt die Module der Home-Automation-Systeme installiert werden und dann über einen Dimmer die dekorative Beleuchtung mit gesteuert wird, als dass man direkt etwas in die Leuchten mit einbaut.





Wie sieht Ihrer Meinung nach die Zukunft des Leuchtendesigns aus. Geht das mit LED zusammen?

S. Bordone: Auf der einen Seite gibt es die Entwickler der Retrofit-Leuchtmittel – mit denen werden die klassischen Designs mit LEDs ausgestattet.

Was sich meiner Ansicht nach stark verändert hat, ist die Herangehensweise. Früher sind die Designer von den Lichtquellen ausgegangen und haben dazu die Leuchte gestaltet. Heutzutage können sie sich fast jede Form ausdenken und danach eine Lichtquelle dafür suchen.



Bei den traditionellen Leuchtenherstellern sind viele Designs auch jetzt noch auf E27-Basis. Wird der Hersteller dadurch Probleme bekommen?
S. Bordone: Ich denke nicht. Es gibt bereits gute Retrofit-Lampen, und die Entwicklung wird da weitergehen. Wir haben bei Kundalini zum Beispiel auch Leuchten, die mit E27-Fassung ausgestattet sind oder wahlweise mit einer speziell für uns entwickelten LED-Lampe. Viele Kunden kaufen weiter die E27-Leuchte, weil sie selbst entscheiden können und momentan noch die Anschaffungskosten für die teurere LED einsparen wollen.




Wird denn bei diesem Modell mit einem „normalen“ Retrofit-Leuchtmittel auch die Anmutung erzielt wie beim speziell entwickelten?

der Stange aufgebaut ist. Wird nicht breit genug ausgeleuchtet, hat man natürlich Schatten. Die Leuchte funktioniert aber auch noch sehr gut mit Kompaktleuchtstoff.

Ich sehe das als einen Grund, warum die Hersteller auf das Glas als Material für Lampenschirme zurückgehen. Wenn man das richtig aufbaut, kann man viele Nachteile der LED-Lampen verstecken. Wir haben beispielsweise LED-Leuchtmittel, die mit einem recht großen Kühlkörper den Lampenschirm nicht komplett ausleuchten würden, aber das Glas des Diffusors transportiert das Licht passend weiter.

Die LEDs werden sich weiterentwickeln, aber was momentan schon verkauft ist, wird sich nicht mehr so schnell ändern. Verbraucher werden sich beispielsweise nicht mehr für viele neue LEDs entscheiden. Aber auch Kunden wie etwa Hotels werden nach dem ersten Besetzen der Brennstelle durch LED nicht direkt auf eine neue Lösung gehen, wenn die nur etwas effizienter ist. Wir würden uns das wünschen, so ist es aber nicht.



Können neue technische Möglichkeiten da Abhilfe bringen?

S. Bordone: Für mich ist weniger der technische Aspekt der LED interessant als die Designmöglichkeiten. In den Anfangsjahren des modernen Leuchtendesigns haben Castiglioni und Co. die Lichtquelle versteckt. Mit der LED hat man weniger Parameter zu berücksichtigen, in der Zukunft vielleicht sogar noch weniger mit der OLED, die uns als dünner Lichtlayer neue Möglichkeiten bringt. Dafür ist es jetzt noch zu früh, aber es macht Lust auf die Zukunft.

Hier kann man zum Beispiel etwas machen, was man ausgeschaltet nicht sieht und das dann beim Einschalten plötzlich leuchtet. Das finde ich persönlich wichtiger – denn die meisten Menschen sehen die LED nur als Möglichkeit, Energie zu sparen, und das ist lange nicht alles.



Müssen Sie Ihre Designer in die neuen Freiheiten treiben?

S. Bordone: Ich gebe den Designern keine strikten Anforderungen, um sie nicht einzuschränken, nur eine grobe Orientierung. Früher haben wir bei Kundalini viele Designs bekommen, die wir nicht machen konnten, weil wir einfach die Lichtquelle nicht unterbringen konnten.
Heute ist das viel einfacher, man muss vielleicht kleine Änderungen machen, um die LED einzubringen. Und je weiter die LEDs voranschreiten, desto eher kann man alles das umsetzen, was die Designer machen.


Vielen Dank für das Gespräch.

Weitere Informationen


Weitere Informationen und dieses Interview
finden Sie in der Ausgabe der
HIGHLIGHT - Heft 5/6 2015


HIGHLIGHT 5/6 2015 können Sie im Webshop bestellen.
Kundalini Illuminazione - www.kundalini.it/de
Newsletter

Das Neueste von
HIGHLIGHT direkt in Ihren Posteingang!