Wissenstransfer zum Licht: Jürgen Spitz Bereichsleiter Licht + Smart Building, DIAL

Zur Person
Dipl.-Ing. Innenarchitekt Jürgen Spitz  (Jahrgang 1971) ist Bereichsleiter Licht + Smart Building bei DIAL in Lüdenscheid. Seit 2002 ist er bei DIAL beschäftigt, ab 2006 dann als Teamleiter Licht, zuständig für alle Lichtplanungs-, Weiterbildungs- und Laboraktivitäten.
Jürgen Spitz ist seit Juni 2015 als Prokurist Teil der neuen Führungsmannschaft von DIAL, zusammen mit Geschäftsführer Dieter Polle und Prokurist Friedrich Wilhelm Bremecker.

Wie sortieren Sie DIAL im Konzert der Bildungsanbieter
für Licht ein?

J. Spitz: Wir sind völlig anders: Wir bei DIAL reden Klartext. Wir haben eine Haltung, die wir auch nach außen hin vertreten. Wir müssen keine Rücksicht auf Produkte nehmen, da wir an keiner Stelle am Verkauf von Produkten partizipieren. Uns geht es einfach nur darum, gutes Licht zu machen. Und dafür stellen wir auch manches infrage: zweifelhafte Normen, zweifelhafte Produkte, zweifelhafte Projekte. Dabei müssen wir uns auch nicht auf Herstellerangaben verlassen. Wir sind messtechnisch hervorragend ausgestattet, weit besser als viele Leuchtenhersteller, also messen wir im Zweifel einfach nach.

Unser Labor liefert uns jeden Tag frische Daten, so wissen wir stets, was heute technisch geht und woran die Branche gerade arbeitet. Wir haben in unserem Neubau massiv in ein Experimentallabor, das Weiße Labor, investiert, allein die Antriebstechnik für die höhenverfahrbaren Decken kostete über 100.000 Euro. Dort können unsere Seminarteilnehmer aber erleben, was ihnen vermutlich sonst kein Weiterbildungsanbieter zeigen kann oder will, z. B. warum der CRI so wenig taugt.
 



Wie kann man die Ausbildung bei DIAL zu institutionalisierten Bildungsangeboten für Lichtplanung und Lichttechnik an Hochschulen abgrenzen?
J. Spitz: Wir haben andere Zielgruppen. Wir wenden uns an berufstätige Menschen, die nur wenig Zeit, also wenige Tage im Jahr in Weiterbildung investieren können. Dementsprechend bereiten wir unsere Angebote so auf, dass wir unser Wissen und unsere Erfahrung bündeln, sodass diese in kompakter Form vermittelbar sind. Wir simplifizieren komplexe Sachverhalte, wie z. B. das Thema Farbeinheitlichkeit von LED-Leuchten, so weit wie möglich und versuchen, diese unterhaltsam und lebendig rüberzubringen.



Gibt es ein genügendes Angebot auf dem Markt? Ist Platz oder sogar Notwendigkeit für mehr Aus- und Weiterbildung?
J. Spitz: Es gibt jede Menge Anbieter und Angebote, für den Außenstehenden schon kaum zu durchschauen. Erfolgreiche Konzepte etablierter Anbieter wie etwa von uns werden oft einfach kopiert. Ich werde öfter mit Fragestellungen konfrontiert wie: „Das Seminar Fachplaner Licht gibt es auch von Anbieter xy, sogar etwas billiger, warum sollte ich zu Ihnen nach Lüdenscheid kommen?“ Am Telefon ist es dann sehr schwer zu beweisen, dass die Seminare kaum vergleichbar sind, dass wir eher einen Workshop in einem Erlebnislabor machen und nicht in einem ordinären Seminarraum sitzen.



Wie individuell oder wie systematisiert ist die Nachfrage nach Lichtausbildung?

J. Spitz: Die Nachfrage ist bisweilen sehr individuell: Ich denke da an einen großen europäischen Hersteller von Reisemobilen, der von uns Hilfe bei den Lichtkonzepten für seine hochpreisigen Fahrzeuge suchte (und auch bekam), oder an einen Anbieter von Überwachungskameras für Sicherheitsbereiche, der ein Seminar zur Planung von Kamera-optimierter Ausleuchtung suchte, oder an eine Bundesbehörde, die für ihre Mitarbeiter ein Seminar suchte, wo es um das bundesweite Umrüsten von Leuchtstofflampe auf LED ging. All diese Kunden legten allergrößten Wert darauf, von einem herstellerunabhängigen und neutralen Partner weitergebildet zu werden.





Welche Lernform ist für DIAL die Zukunft?

J. Spitz: Unterricht vor Ort ist bereits heute ein wesentlicher Bestandteil unseres Angebots. Manchmal habe ich das Gefühl, Leiter eines Reisebüros zu sein, so oft sind unsere Trainer unterwegs bei Kunden.

Auch eine internetbasierte Form des Lernens, das Webinar, bieten wir nun schon im dritten Jahr an. Damit werden wir unabhängiger von Zeitzonen und Lernorten.
Aber in der Tat wollen wir weitere E-Learning-Angebote schaffen. Das ist nicht nur zeitgemäß, sondern auch der entscheidende Schlüssel, um den nicht-deutschsprachigen Markt zu erreichen. Parallel werden wir aber auch weiterhin klassische Präsenzveranstaltungen anbieten. In den nächsten Jahren werden dort noch die höchsten Umsatzanteile generiert, wenngleich diese sinken werden.

Interessant ist Ihre Frage nach anderen Lehrmethoden: Hier bieten sich unzählige digitale Möglichkeiten an, die wir sorgfältig analysieren. Auch müssen wir den Bedarf nach persönlichem Kontakt sowie das visuelle Erleben von Licht adäquat einbinden, z. B. durch ein kluges Blended-Konzept.



Hat die Nachfrage nach Ausbildung für Licht mit der LED-Technologie zugenommen?
J. Spitz: Definitiv ja. Wir spüren, dass unsere Weiterbildungsangebote von Marktteilnehmern wahrgenommen werden, die es vor zehn Jahren noch nicht gab. Ich denke da insbesondere an viele neue Hersteller oder Importeure von LED-Produkten, die bei uns ihr Wissen vertiefen und aufbauen wollen.




Werden eher planerische Themen oder technische Themen beim Licht nachgefragt?

J. Spitz: In der Summe überwiegen die technischen Themen. Das spiegelt sich auch in unserem Angebot wieder. Allerdings verbinden viele Lichtplaner den Namen DIAL mit unserer Software DIALux und trauen uns hohe technische Kompetenz zu. Dass wir eine eigene Lichtplanungsphilosophie besitzen und in der Lehre vermitteln, ist weit weniger bekannt.




Wie passt das Thema Smart Building ins Angebot – wird damit die Brücke zwischen Licht und Gebäudetechnik geschlagen?

J. Spitz: Wir beschäftigen uns seit über 20 Jahren mit Gebäudeautomation. Wir haben auch hier eine Planungsphilosophie für automatisierte Gebäude. Ich versuche mal, sie knapp zu erläutern: Ein Gebäude wird dadurch smart, dass es sich natürlich anfühlt: Die Luft ist gut, das Klima ist im Wohlfühlbereich, Türen und Aufzüge verhalten sich wunschgemäß, der Sonnenschutz findet stets den optimalen Kompromiss aus Entblendung und Sichtverbindung ins Freie, die Kommunikation – sowohl innerhalb des Gebäudes, als auch nach außen – ist im gesamten Gebäude leicht und intuitiv möglich, ja und selbstverständlich ist auch die künstliche Beleuchtung perfekt eingebunden. Da gutes Licht in vielen Fällen dynamisch sein muss, ergänzen sich Lichtplaner und Automationsplaner hervorragend.

Wichtig ist uns dabei, dass der Nutzer möglichst niemals eingreifen muss. Er muss weder Schalter an der Wand betätigen, noch auf irgendwelchen Smart Devices rumwischen. Diese Schnittstelle muss natürlich vorhanden sein, aber sie ist nur dann nötig, wenn der Nutzer eine abweichende Vorstellung hat – sie bleibt eine Kann-Option.

Zur Umsetzung unserer Konzepte haben wir Experten für alle professionell genutzten Standards (DALI, DMX, ZLL, BACnet, KNX, LON).




Wie wichtig ist das Nebeneinander von Planungsprogramm, Messdienstleistung und Ausbildung für das DIAL insgesamt?

J. Spitz: Diese Frage ist eine tolle Vorlage: Alle genannten Geschäftsfelder befruchten sich gegenseitig. Viele Kunden nutzen alle drei Bereiche von uns. Wir haben im Bereich Licht eine Gesamtkompetenz, wie sie in dieser Form einzigartig ist. Es gibt kaum eine Fragestellung, die wir nicht beantworten können.






Vielen Dank für das Gespräch.

Weitere Informationen


Weitere Informationen und dieses Interview
finden Sie in der Ausgabe der
HIGHLIGHT - Heft 9/10 2015


HIGHLIGHT 9/10 2015 können Sie im Webshop bestellen.
DIAL - www.dial.de
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