Luminale 2014: Frankfurt im Lichtfieber

Licht und Schatten
Interaktivität ist eines der großen Stichworte des Luminale-Programms. Vorbei sind die Zeiten, in denen das Licht nur an und aus geknipst wurde. Heute werden Licht-Szenarien programmiert, die zum Beispiel dem Bio-Rhythmus folgen und als Stimmungsaufheller über Konditionsschwächen oder gar Winterdepressionen hinweg helfen. Der interaktive Umgang mit Lichtquellen kann aber auch ganz elementar sein.

Das führt das Atelier Sounds of Silence (Projekt 043)  auf dem Nextower vor. Ein Schattenspieler leitet die Passanten an, mit den eigenen Händen Zeichen auf den Turm zu setzen. Dabei wird klar, dass jedes Lichtdesign den Schatten braucht, um wirken zu können.

Auch bei der 7. Ausgabe der Luminale werden die Techniker der Straßenbeleuchtung RheinMain (SRM) wieder damit beschäftigt sein, durch gezielte Abschaltungen von Straßenlicht die Bedingungen für Lichtkunst-Projekte zu optimieren. Das wirkt sich auf die Energie-Bilanz der Luminale aus: Abschaltungen kompensieren ein Mehr an anderer Stelle. Frankfurt hat seinen Ruf als Stadt der Energiewende gerecht zu werden. Auf dem Römer geht es um alles, was Strom spart in Frankfurt und anderswo (Projekt 053) .

Erinnerungen an Edison
Interaktivität ist auch der Schlüssel zur allseits gewünschten Effizienzsteigerung beim Energieverbrauch. Wenn Sensoren, den tatsächlichen Licht-Bedarf beständig ermitteln, dann geht dort das Licht aus, wo kein Bedarf festgestellt wird: in Büros, in Parkhäusern oder auf der Straße. Die geeignete Lichtquelle für diese sowohl interaktiven wie effizienten Lichtszenarien sind die LEDs, die bei nahezu allen Projekten ganz selbstverständlich genutzt werden. Allein Paul Göschel (Projekt 128) feiert die gute alte Glühlampe im Palmengarten und erinnert an das selige Edison-Zeitalter.
Ein Lichtbogen über dem Main
Die Luminale bleibt sich treu und folgt den Brennpunkten der Frankfurter Stadtentwicklung. Deshalb geht diesmal auch das Licht im Osten auf. Offenbach ist stärker als je zuvor beteiligt. In der Heyne Fabrik haben Licht-Designer des Amsterdamer iLo-Instituts (Projekt OF 08) ihr Luminale-Quartier genommen.

Zu Füßen des fast fertigen Turms der Europäischen Zentralbank im Frankfurter Ostend entsteht ein Stadtpark, der metropolitane Sehnsüchte befriedigt. Dort, in den Bögen der frisch restaurierten Honsell-Brücke, wird Mirek Macke in einer luminösen Montez Kunsthalle (Projekt 076) Lichtkultur und Frankfurter Underground neu abmischen.

Direkt über dem Montez hat der Architekt Ferdinand Heide sich und den Frankfurtern einen Jahrhunderttraum erfüllt: die neue Osthafen-Brücke (Projekt 078) schlägt einen Lichtbogen über den Main. Hier werden sich zur Luminale Tausende von Fotografen sammeln, um ihre Blicke auf die nächtliche Skyline festzuhalten. Nirgendwo sonst gibt es ein vergleichbares Lichtpanorama der amerikanischsten Stadt auf dem europäischen Kontinent.

Luminale hinterlässt dauerhafte Lichtspuren
Die Mainova (Projekt 077) hat wieder einen Wettbewerb zur Luminale ausgeschrieben. Diesmal ist eine Gruppe um den Kölner Stadtplaner Jochen Siegemund zum Zuge gekommen, die das Umspannwerk am Osthafen mit LEDs inszeniert. Wenn es gut wird und gelingt, hätte der Osthafen ein neues Landmark, das übrigens den Digital Hub in Frankfurt mit Energie versorgt. Es wäre das Projekt, das von der Luminale 2014 bliebe. Das zweite ist die Installation von Barbara Trautmann (Projekt 005) im neuen Kongresszentrum Kap Europa der Messe Frankfurt, das zur Luminale Premiere hat.

Zu den Lichtspuren, die die Luminale dauerhaft in der Stadt hinterlassen hat, zählt die Illumination des Stadtraumes am Main (Projekt 049). Michael Hootz, der zuständige Planer beim Magistrat, wird die Planungsgeschichte in einer eigenen Ausstellung erzählen. 2004, genau vor zehn Jahren, gingen am Flussufer zur Luminale die Lichter an und beseitigten die dunkle Kluft zwischen Kernstadt und Sachsenhausen. Den Frankfurtern eröffnete sich quasi über Nacht eine neue Mitte voller neuer Aufenthaltsqualitäten.

Was heute selbstverständlich genutzt wird, war damals ein heikles Thema: Akzeptieren die Bürger beträchtliche Investitionen in Lichtdesign oder nicht? Sie taten es, weil der Nutzen für alle so offensichtlich war. Das ermutigte die Stadtplaner allerorten, die seitdem mit Masterplänen auch in anderen Kommunen mehr als ein Licht aufgehen lassen.

Was kann man mit Licht erzählen? Kann man Licht vielleicht sogar hören? Klaus Teltenkötter legt wieder mit seinem Containerschiff am Holbeinsteg (Projekt 023) an. Mit an Bord sind diesmal Musiker des Ensemble Modern. Teltenkötter ist nicht nur Architekt sondern auch Musiker und sein Projekt ist der „Visual Music“ gewidmet.

Für intellektuellen Tiefgang sorgt auch diesmal der Media Facades Summit (063), dessen sichtbares Zeichen in der Stadt die Installation „Orchestrating the Depth of Light“ (Projekt 035) sein wird, die Johan Bettum mit der Architekturklasse der Städelschule ersonnen hat. Übrigens das erste Luminale Projekt mit einem chinesischen Sponsor: der AHL Lighting Group.

Über 180 Projekte zur Luninale 2014

Neben vielen Luminale-erprobten Spielstätten wie dem Palmengarten, dem Börsenplatz oder dem Römer, sind diesmal Orte im Umbruch Teil der Luminale. Kurz vor dem Abriss des ehemaligen Börsenverein-Hauses neben dem Goethehaus im Großen Hirschgraben, blickt die Gestaltungskooperative tiptopexpress in die Zukunft: Das Deutsche Romantik-Museum, das dort entstehen soll, gibt den Licht-Inszenierungen die Themen vor.  Romantik und Licht gehören zusammen wie Goethe und Frankfurt.

Treffpunkt der Luminale-Nachtschwärmer könnte diesmal die Naxoshalle (Projekte 087 – 101) werden. Dort gibt es ein Luminale-Café und Speisen für den kleinen Hunger. Appetit auf Lichtdesign machen die zahlreichen Installationen in der Halle. Künstler aus Australien, Polen, UK, Japan haben in der Halle mit dem industriekulturellen Charme ihre Installationen aufgebaut.

Zu den neuen Spielorten der Luminale zählt auch die Weißfrauenkirche im Bahnhofsviertel, die die RaumZeitPiraten (019) – digitale Erben von Jean Tinguely – mit ihrem Gesamtkunstwerk bespielen.

Für die meisten beginnt oder endet der Luminale-Rundgang am Bahnhof (010). Dort hat Christian Uitz eine Inszenierung des fast vollendeten Portals für iGuzzini und die Deutsche Bahn geplant. In abgespeckter Version wird es dauerhaft diese Kathedrale der Mobilität  als Visitenkarte der Messestadt illuminieren. Im Inneren ist es die Gruppe um den Mediengestalter Tjark Ihmels, die ihre Licht-Installationen in den Strom der Reisenden hineingeschmuggelt hat (Projekte 011 – 016).

Weitere Infos


Eröffnet wird die Luminale auch diesmal am Sonntag, den 30.3. um 20.00 Uhr auf dem Börsenplatz: IHK Frankfurt, Deutsche Börse und Osram werden den Platz erstrahlen lassen.

Es ist ungerecht, so viele Arbeiten der insgesamt 182 Projekte nicht erwähnt zu haben. Deshalb gibt es das ausführliche Programmheft demnächst als Download auf www.luminale.de.
Luminale - www.luminale.de
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