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Neon Delight

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"Who‘s afraid of red, yellow and blue?" fragte Maurizio Nannucci (*1939, Florenz) 1970 mit bunten Neonbuchstaben als Hommage an Barnett Newmans 1966 entstandene ikonische Arbeit des abstrakten Expressionismus. In der Ausstellung Neon Delight, die nun im Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna präsentiert wird, wird Nannucci mit dem Unikat-Werk „Never Move Far From Color“ (2017/18) zu sehen sein. Die Arbeit Nannuccis zeigt: Neonkunst ist oftmals Sprachkunst. Ist Text, ist Schrift, ist Typografie: Tracey Emin (*1963, Croydon) lässt uns in gelber Neonschreibschrift wissen: „You Never Should have Loved Me The way you did“ (2014). Neonkunst ist Poesie, erzählt Persönliches – geht nah. Auch Jeppe Heins (*1974, Kopenhagen) Arbeit „Who Am I Why Am I Where Am I Going” (2017) spricht die Betrachter und Betrachterinnen direkt an: Sie blicken in einen Spiegel, während sie die Fragen lesen – die sie stellvertretend für den in Berlin lebenden dänischen Künstler für sich selbst beantworten können. Das Werk „It Is Both A Blessing And A Curse To Feel Everything So Very Deeply” (2016) von Olivia Steele (*1985, Nashville) stellt dagegen keine Fragen, sondern setzt alleine auf die Kraft und den Gegensatz von nur zwei Worten: „blessing“ und „curse“. Doch Neonkunst ist auch geometrische Abstraktion ganz ohne Worte, ist Kunst von oftmals großer Fragilität. Vor allem Dan Flavin hat diesen Zweig der Kunst mit Neonröhren populär gemacht. François Morellet (*1926, Cholet bis 2016, ebendort), Keith Sonnier (*1941, Mamou) oder auch Anselm Reyle (*1970, Tübingen) sind Künstler der Ausstellung, die geometrisch-abstrakte, konkrete Neonkunst geschaffen haben – auf teilweise überaus komplexe, raumgreifende Art und Weise.

Maruzio Nannucci im Lichtkunst-Museum Unna
Maruzio Nannucci im Zentrum für internationale Lichtkunst Unna
(Bild: Zentrum für internationale Lichtkunst Unna)

Manche Arbeiten mit ihren immateriellen, in verschiedenen Farben schimmernden Lichtquellen sind äußerst subtil, wie jene von Brigitte Kowanz (*1957, Wien) oder Bruce Nauman (*1941, Fort Wayne) in der Ausstellung Neon Delight zeigen. Naumans Werk „The True Artist Helps the World by Revealing Mystic Truths“ (1967) verweist auf die immaterielle, mystische Kraft des Lichts, auf die Energie, die auch Jan van Munster (*1939, Gorinchem) oft zum Thema seiner Arbeiten gemacht hat. Weitere Künstlerinnen und Künstler der Schau sind Mario Merz (*1925, Mailand bis 2003, Turin), Bruno Peinado (*1970, Montpellier), Bernardi Roig (*1965, Palma de Mallorca) und Giny Vos (*1959, Rotterdam).

Neonröhren und Neonlicht faszinieren Künstlerinnen und Künstler, aber auch das Publikum seit vielen Jahren. Es ist die sinnliche, blendende Strahlkraft, die intensive Signalwirkung der Neonkunst, die sie so anziehend macht. Auch die Nähe zur Sphäre des Technischen, des Künstlichen, zur Warenwelt, zu Pop und Werbung. Physik und Metaphysik kommen sich in der Kunst selten so nah.

Bruce Nauman im Zentrum für internationale Lichtkunst Unna
Bruce Naumans "Double Slap" im Zentrum für internationale Lichtkunst Unna
(Bild: Zentrum für internationale Lichtkunst Unna)

Zuerst aber hatten die mit Neongas gefüllten Glasröhren reinen Signalcharakter und dienten seit Anfang des 20. Jahrhunderts in den nächtlichen Städten zu Werbezwecken; sie illuminierten Paris, New York, Berlin oder Las Vegas. Schon Ende des 19. Jahrhunderts hatte man jenes Gas entdeckt, das elektrisch aufgeladen zu dem Effekt führte, den wir als Neonlicht kennen. Vor allem seit den 1960er Jahren ist Neon auch ein Thema der Bildenden Kunst. Die Produktion solcher Kunstwerke hat sich seitdem nicht verändert: Auch heute noch wird jede Röhre individuell von einem Glasbläser geblasen und mit dem Gas gefüllt.

Kunst mit Neonlicht, das zeigt Neon Delight, ist überraschend divers. John Jaspers, Direktor des Zentrums für Internationale Lichtkunst Unna erläutert: „Die Leuchtstoffröhre, in den USA ‚living flame‘ genannt, hat Zeichen- und Signalcharakter, spielt mit Wort und Schrift, ist Mitteilung und visuelle Kommunikation.“ Mal haben diese Kunstwerke industriellen Charakter. Oder sie lösen sich, sinnlich, vergeistigt, sphärisch, von jeder festen Form und werden Bruchstück und Fragment.

Immer aber ist die Architektur ihr fester Bezugsrahmen, wie die Ausstellung Neon Delight im Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna zeigt, wo auch eine beeindruckende Dauerausstellung zu sehen ist. Das Museum im östlichen Ruhrgebiet hat seinen Sitz tief unter der Erde in den Kellerräumen einer ehemaligen Brauerei. Auf 3.000 Quadratmetern ist hier in historischer Bausubstanz spektakuläre Kunst mit Licht zu erleben.

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Telefon: +49 2303 10 37 51

Veranstalter
Über die Firma
Zentrum für Internationale Lichtkunst e. V.
Unna