Interview mit Alexander und Marco Hahn

Deutsche Lichtmiete: Mieten statt kaufen

Sie haben sich in sehr kurzer Zeit auf dem Markt für Licht etabliert. Was haben Sie seit 2012 angeboten, was es auf dem Markt bisher nicht gab?

AH: Als wir 2008 gestartet sind, war das Eingehen von Leasing- oder Mietverträgen an sich ja nichts Neues für die Industrie. Ich habe aber die Lücke gesehen, die sich bei der Nische Licht auftat – denn zu diesem Zeitpunkt gab es kaum Angebote und noch weniger Nutzer, die ihre Beleuchtungsanlage nicht klassisch gekauft haben. Daher war es für den Markt schon etwas Neues.

MH: Neu war auch, dass die Deutsche Lichtmiete quasi als Branchenfremder in den Markt eingestiegen ist und daher viele Probleme, die sich auftun, komplett unbeeinflusst von traditionellen Sichtweisen angehen konnte. Das hat uns in vielen Projekten weitergeholfen und tut es auch heute noch.

Andere, lange etablierte Hersteller bieten zu ihren Leuchten ebenfalls alternative Finanzierungsformen an. Wie haben Sie es geschafft, als Newcomer mehr zu erreichen als diese Hersteller?

AH: Auch hier ist das wieder eine neue Herangehensweise, die wir als Marktneuling machen konnten. Während die traditionellen Anbieter besonders in der Industrie im täglichen Geschäft eher über Elektriker oder Großhändler an den Kunden kommen, sind wir über die Finanzierung ins Gespräch gekommen und haben damit den Finanzentscheidern gleich eine solide Entscheidungsgrundlage gegeben. Wir haben den Anspruch, dem Kunden gleich im ersten Gespräch eine belastbare Aussage zu den Kosten machen zu können

MH: Natürlich bringen wir auch die lichttechnische Kompetenz mit, um den gesamten Prozess mit Abbau der Altanlage, Installation der neuen Leuchten bis hin zu normgerechter Beleuchtung und Arbeitsschutz alle Anforderungen abzudecken. Das alles von einem Ansprechpartner zu erhalten, ist auch ein Vorteil, den wir von Anfang an mitgebracht haben.

Markus Helle, Alexander Hahn und Marco Hahn (von links) bei der Deutschen Lichtmiete in Oldenburg.
(Bild: Nora Diekmeyer)

Die beste Energieeinsparung bringt eine Sanierung mit Sensorik und steuerbarer Beleuchtung. Geben Sie die Technologie für die Beleuchtung, die Sie verleasen, vor oder kann der Kunde Einfluss nehmen?

AH: Wir geben dem Kunden natürlich alle Möglichkeiten und empfehlen generell eine umfassende Lösung. Das will der Kunde in den allermeisten Fällen dann auch umsetzen, weil es ihm den größten Kostenvorteil bringt. Besonders wenn die Beleuchtung vorher in den betriebswirtschaftlichen Überlegungen kaum eine Rolle gespielt hat, ist der Kunde dann auch bereit, sich unseren Berechnungen anzuschließen und eine Komplettlösung umzusetzen.

In aktuellen Projekten im LIchtmarkt ist der Anteil dimmbarer Anlagen trotz der Möglichkeiten der LED immer noch relativ gering. Sehen Sie sich da als Vorreiter für innovative Technologie?

MH: Wenn wir eine maximale Energieeinsparung wollen und damit dem Kunden auch den besten Preis anbieten, wird es dann häufig auch eine dimmbare Anlage werden. Wir sind gerade dabei, unsere Produkte IoT-fähig zu machen, auch ältere Anlagen können noch nachgerüstet werden. Für unsere Lichtbänder entwickeln wir beispielsweise zusätzlich Sensor-Module, die einfach zwischen zwei Lichtmodulen eingesetzt werden können und die geforderte Intelligenz in das Lichtband bringen. Somit ist der Kunde gleich zukunftsfähig aufgestellt und kann auch die nächsten Schritte im Licht mitmachen.

Inzwischen sind Sie in der Unternehmensgruppe auch am Finanzmarkt tätig. Wo sehen Sie in Zukunft Ihre Marktposition?

AH: Zu Anfang unserer Tätigkeit war der Zugang zum Finanzmarkt nicht gerade einfach. Die Anlagen, die wir verleasen, benötigen schon Kapital, was wir bis heute bankenunabhängig am Markt beschaffen. Wir sind schon vor langer Zeit zu dem Schluss gekommen bankenunabhängig zu bleiben. Dennoch benötigen wir fortlaufend Kapital für unsere Projekte. Daher haben wir uns entschieden, Anleihen aufzulegen, die wir über unsere Schwesterfirma am Kapitalmarkt platzieren. Und während wir bei den ersten Anleihen viele Kleinanleger unter unseren Investoren hatten, sind wir inzwischen auch für größere institutionelle Anleger interessant geworden. Unsere letzten Anleihen konnten wir daher zügig am Markt platzieren.

MH: Die Finanzierung nimmt daher bei uns auch immer weniger Zeit in Anspruch. Im Laufe der Zeit haben wir die entsprechenden Zertifizierungen und Nachweise, die die institutionellen Investoren für „grüne“ Investments sehen wollen, erfolgreich bei uns etabliert, was ebenfalls weiterhilft. Wir können uns auf unsere Kernkompetenz konzentrieren und neues Licht in den Markt bringen.

Werden Sie weitere Geschäftsfelder für das Licht erschließen?

AH: Wir haben mit der großen Anzahl von Projekten, die wir erfolgreich am Markt haben, nun auch eine große Problemlösekompetenz erarbeitet, besonders wenn es um die Renovierung von Beleuchtungsanlagen geht. Ein Beispiel ist die Dreiecksschaltung, die im Osten früher gängig war, die heute aber noch kaum jemand passend verdrahten und noch weniger sicher projektieren kann – da haben wir Lösungen für die Kunden im Regal. Bisher haben wir eine große Anzahl von Projekten in der fertigenden Industrie oder der Logistik abgeschlossen, aber weitere Branchen und Produktionszweige werden sich da ebenfalls auftun.

Welche Produktgruppen sehen Sie im Lichtbereich noch als Aktionsfelder? Wie werden Sie ihre Kooperationen weiter ausbauen?

MH: Wir haben unsere Augen und Ohren ganz nahe am Markt, daher ist vieles denkbar. Und mit Bega haben wir ja jetzt eine Partnerschaft etabliert, mit der wir auch im Außenbereich punkten können. Dazu kommt jetzt auch eine Kooperation mit Zumtobel, über die wir vertrieblich und auch bei den Produkten neue Felder erschließen.

Woher beziehen Sie die Leuchten, die Sie in Ihren Projekten einsetzen?

AH: Während wir uns ganz zum Start noch auf Produkte gestützt haben, die es am Markt gab, sind wir heute in der Lage, fast alles selbst hier bei uns in Oldenburg zu fertigen, was wir in den Projekten einsetzen. Besonders hilft uns dabei auch die Partnerschaft mit Nichia, die als weltweiter Technologieführer für Qualität stehen – die dann natürlich bei uns verbaut wird. Aber es gibt auch Spezialanforderungen, die wir nicht direkt erfüllen können, dafür bedienen wir uns dann am Markt.

Mit Nichia haben Sie einen starken Partner. Was kommt noch aus Japan außer Produkten?

MH: Zunächst erst mal LEDs – wir sind inzwischen einer der Top-10-Kunden von Nichia in Europa für den Bereich der Allgemeinbeleuchtung. Aber wir profitieren auch ganz klar von den technischen Anregungen, die wir aus Japan erhalten, beispielsweise beim Human Centric Lighting oder in der Agrarbeleuchtung. Mit Hilfe von Nichia können wir so auch unsere eigenen F+E-Anstrengungen ausbauen.

Meine Herren, vielen Dank für das Gespräch!

Alexander Hahn ist CEO der Deutschen Lichtmiete, die er 2008 gegründet hat. Seine Karriere begann als Handelsvertreter für eine deutsche Leasingfirma. Das Vorhaben, mitten in der weltweiten Finanzkrise mit einem eigenen Unternehmen zu starten, gestaltete sich für den Gründer wirtschaftlich zunächst schwierig. Was dem heute 43-Jährigen bei der Etablierung seiner Geschäftsidee zugutekam, ist seine Überzeugungskraft gepaart mit Durchhaltevermögen. Inzwischen kümmert er sich im Wesentlichen um Innovationen und neue Wachstumsfelder. Marco Hahn ist der "große" Bruder von Alexander Hahn. Der studierte Betriebswirt durchlief Führungspositionen in mehreren internationalen Elektronikkonzernen. 2014 stieg der heute 48-Jährige bei der Deutschen Lichtmiete Unternehmensgruppe ein und baute die Standorte Frankfurt und München auf. Heute ist Marco Hahn Mitglied der Geschäftsleitung und unter anderem verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit und für Kooperationen.

Über den Autor
Markus Helle Chefredakteur HIGHLIGHT
Markus Helle

Chefredakteur HIGHLIGHT

Über die Firma
Deutsche Lichtmiete AG
Oldenburg
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