Licht mit Tiefgang – Rune E. Marthinussen, Glamox

Welche Bedeutung messen sie dem Thema Human Centric Lighting bei?
Das ist für Glamox sehr relevant. Bislang haben wir etwa 50 erfolgreiche Projekte in verschiedensten Einrichtungen und Unternehmen umgesetzt, diese Zahl wächst von Monat zu Monat weiter. größere Installationen haben wir sowohl im Bildungs- und Gesundheitswesen, im Industrie- und Bürosegment als auch im Marinebereich realisieren können.
Gibt es Ergebnisse aus ihren begleitenden Studien, die bereits publiziert/publizierbar sind?
Die meisten Projekte, die wir unterstützen, sind noch nicht abgeschlossen. Wir haben Ergebnisse einer niederländischen Feldstudie, die von Forschern der technischen Universität Eindhoven durchgeführt wurde. Die Feldstudie wurde in einer Büroumgebung durchgeführt und ist Teil des Projekts „personalized intelligent Lighting control systems“ (piLcs). In picLcs wurden die Büroangestellten drei Wochen lang einem sorgfältig entworfenen, zufällig ausgewählten Beleuchtungsverlauf ausgesetzt und anschließend für die folgenden Wochen einem neuen testablauf unterzogen. auf der einen Seite handelte es sich um eine Standard-Bürobeleuchtung, d. h. 500 Lux mittlere Beleuchtungsstärke auf dem Schreibtisch mit neutralweißem Licht. Alternativ wurde dann ein dynamisches Licht mit unterschiedlichen Farbtemperaturen und Intensitäten eingesetzt. eine wichtige Erkenntnis war, dass die Testpersonen im personalisierten Szenario durchschnittlich 26 Minuten länger geschlafen haben.
Wir haben auch einige Ergebnisse aus einer norwegischen Grundschule. Im Klassenzimmer mit 13 Schülern (4. Klasse) wurde eine Beleuchtungsanlage installiert, wobei ein Klassenzimmer mit 14 Schülern (3. klasse) als Gegenkontrolle fungierte. Die Installation ermöglichte ein halbmanuelles umschalten zwischen vier Zuständen, Lichtintensitäten von 309 – 976 Lux und Farbtemperaturen von 2.700 – 6.500 Kelvin. Schläfrigkeit, Aufmerksamkeit und Schlafverhalten wurden vorher und vier Wochen danach gemessen.
Bei der Ergebnisanalyse berichteten die Schülerinnen und Schüler insgesamt über weniger subjektive Schläfrigkeit nach dem Test im Vergleich zum ausgangswert, mit einem Trend zu einem Interaktionseffekt zwischen Testtag und Klasse. Weitere Analysen ergaben eine geringere Schläfrigkeit nach dem Test im Vergleich zum ausgangswert in der Testklasse (Verbesserung um 8,9 %), jedoch nicht in der Kontrollklasse.
Wie sehen sie das Thema lighting as a Service? Gibt es da schon Projekte in ihren Märkten?
Bisher sehen wir für diesen Service wenig Nachfrage. Ich denke, dass die meisten Bauherren auch selbst der Eigentümer ihrer eigenen Beleuchtungsanlage sowie der anderen technischen Installationen im Gebäude sein möchten. Sollte sich dieser Trend ändern, wird Glamox darauf reagieren.
Sehen sie bei diesen Trends Projekte in ihren Spezialgebieten Schiffsbeleuchtung bzw. Industriebeleuchtung?
Die LED-Technologie in Kombination mit Lichtmanagementsystemen (LMs) für maximale Energieeffizienz und Komfort für die Anwender, eröffnen in unterschiedlichsten Märkten vielfältige Möglichkeiten. Das Konzept Human Centric Lighting nutzen unsere Lichtmanagementsysteme, um eine positive Wirkung des Lichts auf den Menschen zu erzielen. Wir haben beispielsweise neue Konzepte für U-Boote und Kontrollräume entwickelt, um zwei Speziallösungen zu nennen, bei denen die Anwender dank Human Centric Lighting ein höheres Wohlbefinden und eine verbesserte Konzentration erleben.
Was sind momentan ihre Haupt-Wachstumsbereiche?
Momentan sehen wir eine große Nachfrage im Vertrieb unserer Lichtmanagementsysteme. Diese wächst schneller als bei den übrigen Lichtlösungen und so werden sie in Zukunft ein wichtiger Bestandteil der Glamox-Gesamtlösung sein. Die Kunden wünschen sich energiesparende, umweltfreundliche und problemlose Lösungen, die einfach zu installieren und zu warten sind.
Welche Bedeutung hat der deutsche Markt für sie? Mit welchen Geschäftsbereichen sind sie hier aktiv?
Der deutsche Beleuchtungsmarkt ist der größte in Europa. Es ist ein hart umkämpfter Markt, da er sowohl qualitätsbewusst als auch wettbewerbsbetont ist. Es ist uns gelungen, eine stärkere Position im Markt einzunehmen und wir werden auch weiterhin in den deutschen Markt investieren.
In welchen Bereichen bemerken sie die Konkurrenz aus Asien am meisten?
Offensichtlich wird der Direktverkauf im Elektrogroßhandel mit günstigen, asiatischen LED-Panels überschwemmt. Das treibt uns jedoch an, noch wettbewerbsfähiger und effizienter zu werden. gleichzeitig erfahren wir von vielen Kunden, welche schlechten Erfahrungen sie mit einigen dieser Produkte und Lieferanten gemacht haben.
Wie hat die LED diese Spezialbereiche verändert?
Die LED-Technologie bietet einzigartige Möglichkeiten, die Beleuchtungslösungen für anspruchsvolle Zwecke zu verbessern. Wir setzen jetzt EX-Produkte für noch komplexere Aufgaben ein, die mit der konventionellen Technologie nicht hinreichend abgedeckt werden können.
Das ist gut für den Endkunden, da es die Energie- sowie die Wartungskosten reduziert und die Möglichkeit gibt, die Anlagen noch besser zu steuern und überwachen zu können.
Wie findet im Glamox-Konzern der Wissenstransfer statt? Kommen lichttechnische Anforderungen eher vom Industriebereich oder aus der Allgemeinbeleuchtung?
Die Lichtindustrie bewegt sich immer schneller in Richtung neuer Technologien, neuer Lösungen, neuer Steuerungssysteme und neuer Dienstleistungen. Das verändert die Industrie nicht nur, es stellt alle Marktteilnehmer vor enorme Herausforderungen. Alle Bereiche des Unternehmens müssen sich ständig weiterbilden, um wettbewerbsfähig zu sein und potenzielle Risiken zu reduzieren. Wir bilden unsere Mitarbeiter mehr denn je aus, und zwar in allen Aspekten des Geschäfts, über die verschiedenen Segmente und Anwendungen hinweg.
Vielen Dank für das Gespräch.
Rune E. Marthinussen studierte Maschinenbau mit Abschluss NTH (NTNU), hält ein Diplom im Fachbereich Strömungsmechanik des Karman Institute in Brüssel und einen Master of Business Administration (MBA) der Norwegian Business School, BI in Oslo. Er war 15 Jahre in der Kværner-Gruppe tätig, bei der er im Jahr 1985 seine berufliche Karriere als Entwicklungsingenieur bei Unterwasser-Produktionssystemen für Öl und Gas startete. Zuletzt war er bei Kværner als Direktor für den Bereich Wärmekraft in Norwegen zuständig. Anschließend war er neun Jahre bei der Tomra-Unternehmensgruppe tätig, als Geschäftsführer der Tomra Sorting. Seit 2015 ist er CEO der Glamox Gruppe.
Glamox - www.glamox.com
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