HG Esch Panorama-Rotunde: Shanghai 360° am Kölner Dom

Bei freiem Eintritt kamen mehrere tausend Besucher auf den Kölner Roncalliplatz um sich das Kunstwerk anzuschauen, dass bereits im vergangenen Jahr in New York täglich 10.000 – 30.000 Besucher am Rockefeller Center anlockte. In Köln waren zum Zeitpunkt der Präsentation viele Gäste der Photokina unterwegs. Die Messe, die vor zwei Jahren 185.000 Besucher aus aller Welt zählte, ist weltweit die bedeutendste Veranstaltung ihrer Art für für Fotografie.
Mit seinen fulminanten Großaufnahmen von Megacities der ganzen Welt und auch als Architekturfotograf genießt HG Esch schon seit Jahren einen internationalen Bekanntheitsgrad. Nach Asien, New York oder in die Vereinigten Arabischen Emirate zieht es den 50-Jährigen regelmäßig, um dort auftragsbezogen die Bauwerke weltbekannter Architekten ins Bild zu setzen.
Neues Ausstellungsformat mir historischen Wurzeln
Die Panorama-Rotunden mit ihren 360° Anschichten von Millionenstädten markieren ein völlig neues Ausstellungsformat, zu dem HG Esch während seiner künstlerischen Entwicklung gefunden hat. Allerdings hat dieses Format historische Wurzeln, denn schon 1787 hatte ausgerechnet ein Miniaturmaler die monumentale „Allansicht“ für sich entdeckt, als ihm vom Aussichtspunkt eines Hügels ganz Edinburgh zu Füssen lag. „Die Natur auf einen Blick“ nannte Robert Barker seine Erfindung, die er in London zum Patent anmeldete.

Bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts etablierte sich das Panorama als Massenmedium. In europäischen Städten fanden sich eigens errichtete Rundgebäude mit akribisch gemalten Panoramen von Landschaften und Stadtansichten und die Menschen strömten in Scharen dorthin, um sich mit der Bezahlung eines Eintrittspreises die Illusion des Blicks in die weite Welt oder den Blick auf eine idyllische Landschaft zu erkaufen. Aus den stets kommerziellen Panorama-Rotunden sollte mit den Gründungen von Panorama-Aktiengesellschaften Ende des 19. Jahrhunderts sogar ein ganzer Geschäftszweig erblühen und der Maler wurde zusehends zum Auftragserfüller, der den Massengeschmack bediente.

Mit dem Versiegen der „Sehsucht“ – so der Titel einer Panoramen Ausstellung in der Bonner Kunsthalle 1993 –  aus Gründen der Reizüberflutung und des zunehmenden Aufkommens veritabler Reisen an fremde Orte verabschiedeten sich die Rotunden mit ihren profanen Themen aus den Städten und zeigten sich andernorts mit religiösen Inhalten. Heute sind nur noch 28 Rotunden erhalten.
Der Betrachter fühlt sich an den Originalschauplatz versetzt
Es stellt sich die Frage, was HG Esch an einem solchen Ausstellungsformat, das als Kunstform höchst umstritten war und sich – wie es die Kunstkritikerin Ursula Bode formulierte – als „Massenspektakel“ verdingte, fasziniert. Sicherlich nicht der kommerzielle Ertrag, denn der Eintritt ist frei. Die Faszination ist wohl eher in der Tatsache zu finden, dass der Betrachter bei dieser Darstellungsform aufgrund der unzähligen Brennpunkte, die sich aus der Kreisform ergeben, völlig in den Bildraum eintauchen und den Boom der unaufhaltsam expandierenden, unermesslichen Millionenstädte physisch erleben kann, als wäre er tatsächlich dort.

Dieses Phänomen wird durch die hohe Bildauflösung, die kleinste Details offenbart, unterstützt. Das Konzept deckt sich mit dem Ziel der frühen Panoramen, bei denen es aus Wissensdurst neben der Betrachtung des Bildes um das täuschend wahre Erleben ging. Bei Dolf Sternberger ist zu lesen, dass sich die Besucher der gigantischen Rundgemälde tatsächlich an den jeweiligen Originalschauplatz versetzt fühlten.
So ging es wohl auch den Salzburgern, als Johann Michael Sattler ihnen sein auf Anregung von Kaiser Franz I. realistisch gemaltes Panorama in einem zerlegbaren Pavillon auf dem Marktplatz vorstellte. Auf einer Länge von 26 Metern zeigt das heute im Salzburg Museum ausgestellte Gemälde die Stadt und deren Umland um 1829 in topografischer Genauigkeit. Genau das war es, was HG Esch vor vier Jahren für die bevorstehende Ausstellung seiner Megacity-Fotos in der Leica Galerie Salzburg fehlte: Ein Salzburg Motiv.

Er war inspiriert von der Idee, das Sattlersche Rundumbild fast 200 Jahre später 1:1 fotografisch nachzustellen und erklomm dazu dieselben fünf Aussichtspunkte wie zuvor der Maler. Und wie die Sattlersche Rundumansicht der Stadt, mit der der Maler nebst Familie zehn Jahre durch Europa reiste, geht heute die HG Esch Rotunde – mit dem Salzburg-Motiv, mit den Skylines von New York oder Shanghai – um die Welt.
Anders als die Panorama-Rotunden des 19. Jahrhunderts, die nahezu hermetisch abgeschlossen waren, um die Einbildungskraft zu stärken, erlauben die Installationen von HG Esch aber den freien Blick zum Himmel. Und so wird man sich in Köln, während man virtuell im Sog der 19,2 Millionen Einwohner zählenden Megacity Shanghai steht, spätestens beim Anblick der Domspitzen daran erinnern, dass es in der Rhein-Metropole mit ihren nur knapp mehr als 1 Million Einwohnern doch eigentlich ganz schön ist.
Die Ausstellung, eine Eigeninitiative von HG Esch, wurd mit den Kooperationspartnern Leica Camera AG, Wetzlar, Leica Galerie Salzburg und Kölnmesse sowie mit Unterstützung der Stadt Köln realisiert.
Text: Petra Lasar
HG Esch Photography - www.hgesch.de
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