Osram: Licht in Rom, Schatten in München

28.01.2019

Am letzten Freitag hat Osram in Rom die beeindruckende neue Beleuchtung des Petersdoms in einem Festakt offiziell eingeweiht. Die neue LED-Anlage spart nicht nur sehr viel Energie ein, sondern macht viele Kunstwerke sichtbar, die sonst durch die Einschränkungen der vormals installierten Leuchten nicht wahrnehmbar waren. Überschattet wurde die feierliche Eröffnung durch ernüchternde Zahlen für das erste Quartal des aktuellen Geschäftsjahres.

Kuppel im Petersdom mit alter und neuer Beleuchtung. Foto: Archivio Fotografico Fabbrica die San Pietro

Hauptkuppel im Petersdom mit neuer Beleuchtung. Foto: Archivio Fotografico Fabbrica die San Pietro

Cathedra Petri im Petersdom mit neuer Beleuchtung. Foto: Archivio Fotografico Fabbrica die San Pietro

Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2019 liegt der Umsatz für fortgeführte Aktivitäten der Osram Licht AG nach vorläufigen Zahlen bei 828 Millionen Euro (im Vorjahresquartal 939 Millionen Euro) und geht damit um rund 15 Prozent auf vergleichbarer Basis gegenüber dem Vorjahresquartal zurück (im Vorjahresquartal +5,7 Prozent). Die bereinigte Ebitda-Marge beträgt voraussichtlich 11,3 Prozent (im Vorjahresquartal 18,5 Prozent). In diesen Zahlen sind die Geschäftsaktivitäten der bereits veräußerten Sylvania Lighting Solutions in den USA. sowie das zum Verkauf stehende europäische Leuchtengeschäft nicht mehr erfasst, da diese ab dem ersten Quartal des Geschäftsjahres 2019 als nicht mehr fortgeführte Aktivitäten bilanziert werden.

Die schwache operative Entwicklung spiegelt sich in allen drei Geschäftseinheiten wider. So verzeichnet beispielsweise die Einheit Opto Semiconductors im ersten Quartal einen Umsatzrückgang auf vergleichbarer Basis von 16,9 Prozent.

Ursächlich für die enttäuschende Umsatzentwicklung ist der sich insbesondere im Dezember 2018 beschleunigte Marktrückgang. Betroffen waren vor allem die Kernmärkte Automotive, General Lighting und Mobile Devices. Hierbei wirken sich besonders die anhaltenden Handelskonflikte, die Wachstumsschwäche in China und die allgemeinen politischen Unsicherheiten belastend aus. Entsprechend bleibt die Sichtbarkeit auf die kommenden Quartale deutlich eingeschränkt.

Petersdom als Leuchtturmprojekt

Was die Technik aus München zu leisten im Stande ist, zeigt die aktuelle neue Beleuchtung im Petersdom. Die Planungs- und Installationsarbeiten für die neue LED-Beleuchtung dauerten rund eineinhalb Jahre. Das gesamte Beleuchtungskonzept für das Projekt hat Osram maßgeschneidert, um zukünftig alle Schätze der bedeutsamsten Basilika der Welt optimal hervorzuheben. Mehr als 780 Spezialleuchten, bestückt mit zirka 100.000 Leuchtdioden, kommen dafür zum Einsatz. Die Beleuchtung der rund 22.000 m² Grundfläche umfassenden Kirche kann dank einer intelligenten Steuerung auf vordefinierte Lichtszenarien im Handumdrehen angepasst werden. Durch das neue LED-Licht sind nun beispielsweise die Mosaike in den Kuppeln der Seitenschiffe bis ins kleinste Detail erkennbar. Zahlreiche Kunstwerke, die vorher im Halbdunkel verschwanden, erstrahlen jetzt in vollem Glanz.

"Wir sind sehr stolz auf dieses lichttechnische Meisterwerk im Petersdom. Das Projekt zeigt, dass sich mit der richtigen Expertise Historie und Hightech bestens vereinbaren lassen. Über 500 Jahre Geschichte erstrahlen nun in digital gesteuertem LED-Licht", so Olaf Berlien, CEO der Osram Licht AG.

"Sowohl Kunstliebhabern als auch Pilgern, die zu diesem Zentrum des katholischen Glaubens kommen, wurde mit diesem Projekt ein großer Dienst erwiesen. Wir freuen uns sehr darüber, dass dieser wichtige Ort dank des neuen Beleuchtungskonzepts in einem ganz besonderen Licht erstrahlt", so Kardinal Giuseppe Bertello, Präsident des Governatorats des Staates Vatikanstadt.

"Die neue Beleuchtung des Petersdoms entspricht in vollem Umfang den Anforderungen für Verehrung, Gebet und Messfeiern, insbesondere dann, wenn der Heilige Vater anwesend ist. Mit diesem 'intelligenten' Beleuchtungskonzept haben wir außerdem ein weiteres Ziel erreicht: die Möglichkeit, die architektonische Schönheit des Petersdoms zu bewundern", sagte Kardinal Angelo Comastri, Erzpriester der vatikanischen Papstbasilika St. Peter.

"Im Rahmen dieses Projektes haben die Technischen Dienste des Governatorats und Osram in einem Team zusammengearbeitet, das aufgrund seiner Erfahrungen ein einzigartiges Projekt enormen Umfangs durchführen konnte", meinte Don Rafael Garcia De La Serrana Villalobos, Direktor Technische Leitung der Vatikanstadt.

Die innovative LED-Beleuchtung mit hoher Spektralqualität und effizienter fotometrischer Verteilung hat die Blendung erheblich reduziert. Aufgrund ihrer besonderen Geometrie und der kompakten Abmessungen, konnten die Leuchten optimal in die Architektur integriert werden. Die Anzahl der Leuchten wurde zudem dank ihrer Effizienz erheblich reduziert. Zusammen mit der digitalen Steuerung wird so im Vergleich zur alten Beleuchtung eine Energieeinsparung von bis zu 90 Prozent möglich.

Die neue LED-Beleuchtung betont die Meisterwerke im Inneren des Sakralbaus, wie etwa die über 10.000 m² umfassenden Mosaike, und ermöglicht den Besuchern darüber hinaus ermüdungsfreies Lesen. Bisher waren unter anderem die Kuppeln in den kleinen Seitenschiffen fast unbeleuchtet; jetzt werden sie durch das neue Beleuchtungskonzept optimal in Szene gesetzt. Details, die in der 500-jährigen Geschichte des Petersdoms noch nie sichtbar und selbst Kunstexperten unbekannt waren, sind nun ohne störende Reflexionen zu sehen.

Die digitale Steuerung ermöglicht es, spezifische Beleuchtungsszenarien sowohl auszuwählen als auch zu erstellen oder zu verändern. Dank der neuen Beleuchtung ist nun zudem die Übertragung von Fernsehbildern in hoch- und höchstauflösenden Einstellungen mit 4K bzw. 8K möglich.

Die gesamten Installationsarbeiten wurden von der Direktion der Technischen Leitung der Vatikanstadt übernommen, die unter anderem wichtige Empfehlungen zum ursprünglichen Projekt in enger Zusammenarbeit mit der Dombauhütte von St. Peter erteilte.

Der Petersdom ist 190 Meter lang und wird täglich von 27.000 Besuchern besichtigt. Die drei Schiffe haben jeweils eine Breite von 58 Metern; das Mittelschiff misst am höchsten Punkt des Gewölbes fast 46 Meter. Die Kuppel ist zirka 137 Meter hoch. Dank des neuen Beleuchtungskonzepts ist nun zum ersten Mal seit Beginn der Bauarbeiten im Jahr 1506 jedes Detail dieses architektonischen Meisterwerkes in voller Pracht und Schönheit zu sehen.



 

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