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Orangefarbenes Licht für die Behandlung psychiatrisch erkrankter Patienten

7.09.2018

Ein neues Akutzentrum in Norwegen für psychiatrisch erkrankte Menschen testet derzeit ein neues Beleuchtungskonzept für seine Patienten. Das Lichtmanagementsystem für das Projekt wurde von Glamox entwickelt und realilsiert.

Patientenzimmer in orangem Licht.

Patientenzimmer in weißem Licht Licht.

Das neue Akutzentrum im St. Olavs Krankenhaus in Trondheim, Østmarka.

Das neue Akutzentrum im St. Olavs Krankenhaus in Trondheim, Østmarka.

Das neue Akutzentrum im St. Olavs Krankenhaus in Trondheim, Østmarka, ist ein eher ungewöhnliches Bauwerk, denn die eine Hälfte des Gebäudes mit insgesamt 20 Belegbetten wurde so geplant und gebaut, dass der Schwerpunkt auf Beleuchtungstechnik und die Lichtnutzung liegt. Somit können neben der Behandlung der Patienten auch die positive Wirkung von Licht auf den Menschen weiter erforscht werden.

Die Patienten bleiben den ganzen Tag und die ganze Nacht in dem Bereich des Krankenhauses, in dem das Licht gesteuert und sorgfältig geplant wird. Tagsüber ähnelt das künstliche Licht - also das Innenlicht - dem Tageslicht. Aber ab sechs Uhr am Abend geht es in ein sehr warmes, orangefarbenes Licht über. Diese Phase dauert bis 23.00 Uhr an, dann übernimmt ein auf 25 Prozent gedimmtes orangefarbenes Licht die Beleuchtung und in dieser Einstellung bleibt es bis sechs Uhr in der früh.

Wenn das orangefarbene Licht angeschaltet ist und von den installierten Leuchten kein blaues Licht abgegeben wird, wird im Körper mehr Melatonin (das Schlafhormon des Körpers) im Blut freisetzt. Die Patienten werden dadurch ruhiger und müder und sind deutlich weniger angeregt oder hyperaktiv. Für viele Menschen mit bipolarem Verlauf bedeutet die hyperaktive Phase Schlafmangel. Die Behandlung mit orangenem Licht kann daher wieder zu normaleren Schlafgewohnheiten führen.

Tagsüber haben die Patienten ein weißes Licht, das zwischen warmen und kalten Weißtönen variiert. Das kaltweiße Licht am Morgen unterdrückt dabei die Melatoninproduktion und erhöht gleichzeitig die Produktion von Cortisol, einem Stresshormon. Das Licht trägt somit dazu bei, dass die Patienten - und gleichzeitig auch die Mitarbeiter - sich tagsüber wach und energiegeladen fühlen und gegen Abend müde und ruhiger werden. Der verbesserte Schlafrhythmus ist daher nicht nur das Ergebnis des therapeutischen orangem Lichts, sondern auch des künstlichen Tageslichts.

Die Realisierung dieser besonderen Lichtatmosphäre in Østmarka erforderte eine detaillierte Planung und Entwicklung für die Gebäudebereiche. Patientenzimmer, Flure, Bäder und Wohn-/Erholungsräume sind über ein gemeinsames Lichtmanagementsystem verbunden. Patienten können das Licht im Raum nach ihren Wünschen dimmen, jedoch sorgt eine spezielle Lichtsteuerung dafür, dass nur das zur Tages- und Nachtzeit passende Licht entsprechend zur Verfügung steht. Die behandelnden Ärzte können auf ihrem Bildschirm den Überblick behalten und die individuelle Beleuchtung für jeden Patienten einsehen und dokumentieren.

Der Gebäudebereich für die bipolaren Patienten muss ohne natürliches Tageslicht sein. Daher sind alle Fenster mit speziellen Filtern ausgestattet. Und um falsche Bedienungen sowie Beschädigungen zu vermeiden, sind alle Leuchten in Wände oder Decken eingelassen. Mehrere LED-Module sind in den jeweiligen Leuchten für die Lichtsteuerung integriert.

"Um das orangefarbene Licht zu erzeugen, müssen wir verschiedene Lichtquellen aus roten, blauen und grün-weißen LEDs mischen," beschreibt Lars-Fredrik Forberg, Produktmanager für HCL (Human Centric Lighting) bei Glamox, dies technische Vorgehensweise. Eine Herausforderung für Glamox bestand bei der Entwicklung der Beleuchtung für die Gesundheitseinrichtung darin, die blauen Anteile im Licht nahezu vollständig zu entfernen.

"Heute können wir etwa 99 Prozent des blauen Lichts entfernen", kommentiert Herr Forberg. "Wir hatten also eine Diskussion mit den Forschern darüber, wie viel Blau im Licht überhaupt bleiben darf. Somit wurde es für uns technisch sehr anspruchsvoll."

Ein Großteil der verwendeten Lichttechnologie lag Glamox bereits zum Projektstart fertig entwickelt vor. Dazu mussten einige Geräte, wie beispielsweise bestimmte Armaturen, speziell angefertigt und angepasst werden.

"Das speziell auf die Patienten zugeschnittene Licht macht das Gebäude in Østmarka einzigartig", berichtet Lars-Fredrik Forberg. "Zugleich beeindruckte Glamox, welche Investitionsbereitschaft von Seiten der Verantwortlichen der Gesundheitseinrichtung gezeigt wurde. Der Krankenhausträger hat die Forschung auf diesem Gebiet kennengelernt und die Initiative zur Förderung ergriffen. Andere Gesundheitseinrichtungen haben bereits Interesse an dem besonderen Projekt bekundet und werden die Entwicklungen in Østmarka mit großem Interesse verfolgen."

Tests mit orangefarbenen Brillengläsern

Warum leiden einige Menschen unter einer bipolaren Störung - einer Krankheit, bei der sich emotionale Zustände und Phasen der Depression und Hyperaktivität verschieben? Viele Erklärungen liegen dazu vor und die Störung betrifft die Menschen in unterschiedlichem Maße - aber Forscher haben herausgefunden, dass Menschen mit bipolarer Störung auch von dem Licht betroffen sind, dem sie ausgesetzt sind. Die norwegische Forscherin und Ärztin Tone Elise Gjøtterud Henriksen hat mit ihren Studien für Aufsehen gesorgt, in denen sie die Patienten mit dem einfachsten Werkzeug ausstattete: einer Brille mit orangefarbenen Gläsern. Die Brille sollte von 18.00 Uhr abends bis 8.00 Uhr morgens getragen werden. Die Besonderheit der Brille lag darin, dass sie blaue Lichtanteile für die Patienten nahezu vollständig blockieren konnten.

Frau Dr. Henriksen hat zunächst keine Erklärung zu ihrer Feststellung, warum Menschen mit bipolarer Störung, die sich in der manischen Phase befinden, besonders empfindlich auf blaues Licht reagieren. Die Forscherin kommt zu dem Schluss, dass blaues Licht die manischen Phasen des Patienten zu verlängern scheint. Die Verwendung der Brille zeigte kurzfristig Erfolg: Schon nach drei Tagen war der Gesundheitszustand von Patienten wesentlich besser, d.h. weniger manisch. Einige berichteten von einer noch schnelleren Besserung und bemerkten bereits nach wenigen Stunden einen Unterschied. Das Forschungsprojekt in Østmarka basiert auf den Ergebnissen dieser Studie.



 
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